Tückischer Angriff auf die Atemwege

Je kleiner die Feinstaubpartikel, desto gefährlicher für die Gesundheit. (Foto: Bilderbox)
Je kleiner die Feinstaubpartikel, desto gefährlicher für die Gesundheit. (Foto: Bilderbox)

Kleinste Feinstaubpartikel gefährden Lunge, Herz und Kreislauf

(dbp/wgt) Feinstaub in der Atemluft gilt als besonders gefährlich für den Menschen. Denn je kleiner die Staubpartikel sind, umso leichter dringen sie bis tief in die Lunge ein. Dort können sie unter anderem Asthma, Bronchitis und Lungenkrebs auslösen. Über die Lungenbläschen gelangen die feinen Partikel auch in die Blutbahn und beeinträchtigen Herz und Kreislauf.

Gesetzlich geregelte Grenzwerte und Umweltzonen in den Städten sollen die schädliche Luftbelastung durch Industrie und Verkehr reduzieren. Doch während andere Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid seit 1990 teilweise drastische Rückgänge bis zu 90 Prozent verzeichneten, sank die Feinstaubbelastung im gleichen Zeitraum lediglich um 30 Prozent, wie das Umweltbundesamt in seinem Bericht zur Luftqualität im Jahr 2012 feststellt.

Kein Grund zur Entwarnung

Obwohl die mittlere Feinstaubkonzentration 2012 deutlich unter den Werten der vorangegangenen drei Jahre lag, sieht das Umweltbundesamt keinen Grund zur Entwarnung. Denn die Luft in Deutschland ist nach Meinung der Umweltexperten noch immer zu stark mit Feinstaub belastet und stellt damit ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar. In vielen deutschen Städten werden die Grenzwerte an verkehrsreichen Straßen deutlich überschritten. An nahezu jeder zehnten verkehrsnahen Messstation kletterten die Tagesmittelwerte über das festgelegte Limit. Das ist überschritten, wenn die Konzentration von Staubpartikeln, die kleiner als zehn Mikrometer sind (PM10), an mehr als 35 Tagen im Jahr über dem Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) Luft liegt.

Größe der Staubpartikel ist entscheidend

Das Gesundheitsrisiko durch die mikroskopisch kleinen Staubpartikel hängt laut einer Studie des Umweltbundesamtes vor allem davon ab, „wie tief die Teilchen in den Atemtrakt eindringen und wie lange sie am Wirkungsort verbleiben“. Größere Partikel werden meist schon in der Luftröhre und den Bronchien abgefangen und wieder ausgeschieden. Kleinere Teilchen dringen dagegen bis in die Lungenbläschen vor und setzen sich dort fest. Die Kleinsten unter ihnen gelangen bis in den Blutkreislauf. Mit der Feinstaubbelastung steigt deshalb das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Da sich an der Oberfläche der Eindringlinge auch krebserzeugende Stoffe wie etwa polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe anlagern können, bergen sie eine weitere Gefahr für die Gesundheit.

Laut „GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit“ leiden ältere Menschen, Kinder und Kranke besonders unter der Feinstaubbelastung. So wiesen Kinder, die über einen längeren Zeitraum einer hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt waren, ein vermindertes Lungenwachstum auf.

Eine ganz besondere Tücke unterscheidet den Feinstaub überdies von anderen Schadstoffen in der Umgebungsluft, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont: Feinstaub ist bei jeder Konzentration schädlich. Während sich bei Schwefeldioxid oder anderen Schadstoffen Untergrenzen bestimmen lassen, bei denen keine nachteiligen Wirkungen auf die Gesundheit zu erwarten sind, ist das bei Feinstaub nicht der Fall.

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GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (2005): Feinstaub – Kleine Partikel mit großer Wirkung. Online: http://www.helmholtz-muenchen.de/fileadmin/FLUGS/PDF/Themen/Luft/Feinstaeube_2005_Flugs.pdf; Umweltbundesamt (2013): Luftqualität 2012. Vorläufige Auswertung. Dessau-Roßlau. Online: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/4421.pdf; Umweltbundesamt (2009): Feinstaubbelastung in Deutschland. Dessau-Roßlau. Online: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3565.pdf; World Health Organization (2013): Review of health aspects of air pollution – REVIHAAP Project. Technical Report. Copenhagen. Online: http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0004/193108/REVIHAAP-Final-technical-report.pdf; alle Informationen abgerufen im Juli 2013