Training entlastet die Bandscheiben

Bei einem Bandscheibenvorfall sollte zunächst die Muskulatur im Rücken gestärkt werden. Die richtigen Übungen erlernt man z. B. im Rahmen der Krankengymnastik-Sitzungen. (Foto: RioPatuca Images / Fotolia)
Bei einem Bandscheibenvorfall sollte zunächst die Muskulatur im Rücken gestärkt werden. Die richtigen Übungen erlernt man z. B. im Rahmen der Krankengymnastik-Sitzungen. (Foto: RioPatuca Images / Fotolia)

Bei der Behandlung von Bandscheibenvorfällen gehen konservative Methoden vor.

(dbp/abz) Meist treten sie plötzlich auf: Schmerzen im Rücken, denen ein Bandscheibenvorfall zugrunde liegt. Je nachdem, welcher Teil der Wirbelsäule betroffen ist, tut der untere Rücken oder der Nacken weh und die Schmerzen können in die Arme oder die Beine ausstrahlen. Es kann auch sein, dass unvermittelt oder bei Belastung auftretende Schmerzen z. B. nur in einem Arm durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst werden, ganz ohne, dass der Rücken weh tut. Nicht immer muss man sofort zum Arzt. Wenn die Beschwerden allerdings innerhalb von ein bis zwei Tagen nicht besser werden oder wenn Symptome wie Lähmungen und Taubheitsgefühle auftreten, sollte man sofort ärztliche Hilfe suchen.

„Vorfall“ wörtlich nehmen

Der Facharzt wird bei solchen Symptomen zunächst durch einige Bewegungen der Arme und Beine des Patienten versuchen, den Ursprung der Beschwerden, sprich die Stelle der Wirbelsäule, von der die Beschwerden ausgehen, einzugrenzen. Sicher diagnostizieren kann der Arzt den Bandscheibenvorfall erst nach einem bildgebenden Verfahren. Hier ist der Standard eine MRT-Aufnahme, anhand derer die genau Lage der verschobenen Bandscheibe sichtbar wird. Am häufigsten tritt eine Bandscheibe zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel oder zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem Steißbein hervor. Seltener ist die Halswirbelsäule betroffen.

Die Bandscheibe tritt bzw. „fällt vor“, das heißt Teile der Bandscheibe, die eine flexible, faserknorpelige Verbindung zwischen den Wirbelkörpern ist, tritt in den Raum vor, in dem das Rückenmark liegt. So kann es dazu kommen, dass Wirbelkörper aneinander reiben oder im Rückenmarkskanal Nervenwurzeln bedrängt werden, wodurch Schmerzen – in schweren Fällen sogar Lähmungen – ausgelöst werden. Die Bandscheiben sind eigentlich als Stoßdämpfer für die Wirbelsäule im Einsatz, sollen Erschütterungen abfedern und das Rückenmark schützen.

Konservative Therapie geht vor

Nur ein geringer Teil der Patienten mit einem Bandscheibenvorfall muss heute noch „unters Messer“, sagt Dr. Reinhard Schneiderhan, Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga. Vielen Betroffenen kann schon mit einer konservativen Behandlung geholfen werden. Bei der Behandlung von Bandscheibenbeschwerden geht der Trend heute auch weg von der Operation, denn nach Expertenangaben bringt diese oft nicht den gewünschten Erfolg. Umso gefragter sind Methoden, die ohne chirurgischen Eingriff Schmerzen lindern können. Im einfachsten Fall durch Training zur Stärkung der Muskulatur im Rücken, wodurch die Wirbelkörper entlastet werden und Stabilität erhalten. Die richtigen Übungen werden dem Patient durch den Physiotherapeut im Rahmen von Krankengymnastik-Sitzungen gezeigt.

Eine weitergehende Behandlungsmethode ist die spinale Dekompression: Der Patient liegt dabei auf einem Behandlungstisch, der an eine moderne Streckbank mit Computeranschluss erinnert. Je nach Lage der Beschwerden werden Kopf oder Becken mit Gurten fixiert, anschließend wird ein sanfter Zug auf die Wirbelsäule ausgeübt, der die betroffene Bandscheibe millimeterweise dehnt. Der Patient spürt davon während der 30- bis 45-minütigen Behandlung so gut wie nichts. Je nach Beschwerdebild werden circa 20 Sitzungen empfohlen, die möglichst zeitnah aufeinanderfolgen sollten. Wenn der Patient das Training dann nach den Sitzungen beim Physiotherapeuten selbständig fortsetzt, hat er gute Aussichten, moderate Bandscheibenprobleme langfristig in den Griff zu bekommen.

Ähnliche Beiträge

Weiterführende Links

Beitrags-ID:
4950758
Kategorie(n):
Quellenangaben:
Informationen von Dr. Reinhard Schneiderhan, Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga e.V. (Juni 2010), Informationen von Physiotherapeut und Chiropraktiker Günther Grasse, Geschäftsführender Gesellschafter SpineMed Deutschland (Juni 2010); Informationen von Dr. Thomas André Violka, Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin, Chirotherapie, spezielle Schmerztherapie und Notfallmedizin am Reha- und Rückenzentrum Gießen (Juni 2010), Dr. Michael Vitek „Wenn die Bandscheiben Probleme machen“, Kneipp-Verlag, Leoben, 2004; Prof. Dr. med. Paul Th. Oldenkott und Dr, med. Dipl.-Ing. Wolf D. Scheiderer „Bandscheiben-Leiden Was tun?“, Trias Verlag, Stuttgart, 2005; Homepage der Deutschen Wirbelsäulenliga e.V.: www.wirbelsaeulenliga.de (besucht im Februar 2016);