Therapie und Pflege nach den eigenen Wünschen

Die Patientenverfügung muss vom Patienten persönlich unterzeichnet sein. (Foto: Fotolia / U. J. Alexander)
Die Patientenverfügung muss vom Patienten persönlich unterzeichnet sein. (Foto: Fotolia / U. J. Alexander)

Was Patienten- und Pflegeverfügung regeln können.

(iwg/fru) Leben um jeden Preis – das kommt für viele nicht infrage. Die letzten Lebensmonate oder sogar -jahre im Wachkoma an medizinischen Geräten angeschlossen zu sein oder länger künstlich ernährt zu werden, ist für viele Menschen eine schlimme Vorstellung. Damit Ärzte in einem solchen Fall genauso handeln können, wie der Patient es wünscht, gibt es die Patientenverfügung. Je detaillierter das Schriftstück verfasst wird, desto besser, denn Aussagen wie „Ich möchte in Würde sterben“ oder „Ich möchte nicht künstlich ernährt werden“ dokumentieren den Patientenwunsch keinesfalls hinreichend. Deshalb sind genauere Formulierungen notwendig, zumal die moderne Medizin sehr viele lebensverlängernde Maßnahmen kennt und der Arzt grundsätzlich dem Schutz des menschlichen Lebens bis zu einem gewissen Grad verpflichtet ist.

Ärztlicher und juristischer Rat empfehlenswert

Das Patientenverfügungsgesetz gibt Volljährigen die Möglichkeit, im Voraus verbindlich zu bestimmen, welche Behandlungen geleistet oder unterlassen werden sollen, wenn sie ihre Wünsche nicht mehr äußern können. Die Patientenverfügung kann dabei unabhängig von Art und Stadium einer Krankheit aufgesetzt werden. Es muss unmissverständlich erkennbar sein, in welcher konkreten Situation, welche Behandlungen gewünscht oder eben nicht gewünscht werden. Zum Beispiel kann verbindlich verfügt werden, dass im Fall eines Wachkomas oder einer Demenz eine künstliche Ernährung unterbleiben soll.

Bei Verwendung der vielfach in Umlauf befindlichen Formulare ist Vorsicht geboten, da leicht Unklarheiten entstehen können. Es empfiehlt sich deshalb, eine medizinische und ggf. auch juristische Beratung einzuholen. Des Weiteren sollte die Patientenverfügung regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Schließlich können sich im Zeitablauf Meinungen und Einstellungen auch ändern. Die Patientenverfügung muss schriftlich verfasst und vom Patienten persönlich unterzeichnet sein oder sein Handzeichen muss notariell beglaubigt werden. Liegt keine Patientenverfügung vor, so ist auf der Grundlage des mutmaßlichen Willens des Patienten zu entscheiden und dieser kann in verschiedene Richtungen ausgelegt werden.

Ergänzung zur Patientenverfügung

Ein ergänzender Baustein zur Patientenverfügung kann eine Pflegeverfügung sein.  Anhand einer solchen Verfügung kann man sich selbst vorab schon mit einer potenziellen Pflegesituation beschäftigen und insbesondere dem zukünftigen Pflegepersonal wichtige Impulse für die gewünschte Betreuung geben. In einer solchen Pflegeverfügung können z. B. individuelle Wünsche zur Unterbringung in einem Pflegeheim geäußert werden. Möchte man ein Haustier unbedingt mitnehmen, wie soll Nahrung und Flüssigkeit verabreicht werden oder welche sonstigen Vorlieben herrschen vor? Gerade wenn man beispielsweise aufgrund einer späteren Demenzerkrankung diese Wünsche im Akutfall nicht mehr äußern kann, wäre es wichtig, diese vorab zu verschriftlichen.

Eine Pflegeverfügung ersetzt nicht die Patientenverfügung und ist im Gegensatz zu dieser auch kein rechtlich bindendes Vorsorgedokument. Dennoch ist sie empfehlenswert, um bezüglich der Art und Weise der Pflege konkrete Wünsche äußern zu können und somit den Angehörigen und einer künftigen Heimleitung zu signalisieren, was für einen wichtig ist.