Teilleistungsstörungen erkennen und behandeln

Eine Rechenstörung (Dyskalkulie) kann bereits im Kindergartenalter erkannt werden. Und je früher die Diagnose erfolgt, desto besser ist die Aussicht auf Therapie. (Foto: Fotolia / Lydie)
Eine Rechenstörung (Dyskalkulie) kann bereits im Kindergartenalter erkannt werden. Und je früher die Diagnose erfolgt, desto besser ist die Aussicht auf Therapie. (Foto: Fotolia / Lydie)

Probleme bei Deutsch und Mathe nicht auf die leichte Schulter nehmen.

(dbp/fru) Wenn Kinder in der Schule größere Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen haben, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Ursachen. Denn dahinter könnte sich eine sogenannte Teilleistungsstörung verbergen. Dazu gehören z. B. die Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie) oder die Rechenstörung (Dyskalkulie). „Teilleistungsstörungen kennzeichnen verschiedene Verhaltensauffälligkeiten, die trotz hinreichender Intelligenzleistungen, regelmäßiger Förderung sowie einer grundsätzlichen körperlichen und seelischen Gesundheit der Betroffenen auftreten und nicht aus einer entsprechenden Behinderung erklärt werden können“, beschreibt der Deutsche Bildungsserver auf seinem Internetportal die anhaltend auftretenden Lernschwächen bei manchen Kindern.

Rechnen aus Textaufgaben fast unmöglich

Die Probleme beim Rechnen treten meist sehr früh auf und betreffen die Grundlagen der Mathematik. Beispielsweise wird Rechnen mit Abzählen verwechselt. Zu Beginn können Kinder durch Abzählen, Auswendiglernen oder selbst erfundene Rechenregeln ihre Probleme noch verschleiern. Bei schwierigeren Aufgabenstellungen verkomplizieren sich auch die Rechenwege der Betroffenen – die Fehleranfälligkeit steigt. Dyskalkulie wird daher oft erst in der dritten oder vierten Klasse erkannt. Dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) zufolge sind vier bis sechs Prozent aller Kinder von Dyskalkulie betroffen. Besondere Schwierigkeiten bereiten diesen Kindern Textaufgaben. Aus einer ausformulierten Aufgabenstellung den korrekten Rechenweg zu ermitteln, ist für sie beinahe unmöglich.

Lese- und Rechtschreibstörungen können bei Kindern entweder isoliert oder sogar gemeinsam auftreten. „Kinder mit Legasthenie machen die Fehler wesentlich häufiger und die Schwierigkeiten bleiben über einen längeren Zeitraum unverändert“, erklärt der BVL. Anzeichen können z. B. eine niedrige Lesegeschwindigkeit, häufiges Stocken, Verlieren der Zeile im Text, aber auch das Auslassen, Vertauschen oder Hinzufügen von Wörtern, Silben oder einzelnen Buchstaben sein. Beim Schreiben äußern sich die Defizite durch eine hohe Fehlerzahl bei Diktaten und abgeschriebenen Texten.

Frühzeitige Diagnose wichtig

Teilleistungsstörungen können gravierende Folgen für die Zukunft der Kinder haben und auch zum Schulabbruch führen. Wenn die Lernschwächen jedoch frühzeitig erkannt werden, kann eine gezielte Förderung erfolgen, die Kindern hilft, in der Schule „mitzuhalten“. Bei Lese- und Schreibschwächen hat sich eine Lerntherapie mit pädagogisch-psychologischer Förderung bewährt. „Ausschlaggebend für die konkrete Vorgehensweise sind die individuellen Lernvoraussetzungen, Bedürfnisse, Schwierigkeiten und Stärken sowie Ziele“, sagt der BVL. Die Förderung kann individuell in Einzelsitzungen oder in kleinen Gruppen erfolgen.

Dyskalkulie sollte hingegen vor allem in Einzelsitzungen therapiert werden. Unter Umständen könne bereits im Kindergartenalter die Rechenstörung diagnostiziert werden. Dann könne man den Verlauf maßgeblich positiv beeinflussen. „Im gezielten Lerntraining, kombiniert mit psychotherapeutischer Arbeit, werden individuell passende Lernstrategien entwickelt und die seelische Stabilität gefördert“, so der BVL.

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