Talentierte Blutsauger

In Deutschland gelten medizinische Blutegel als Arzneimittel im Sinne des Arzneimittelgesetzes und sind als solche über Apotheken zu beziehen. (Foto: materq / Fotolia)
In Deutschland gelten medizinische Blutegel als Arzneimittel im Sinne des Arzneimittelgesetzes und sind als solche über Apotheken zu beziehen. (Foto: materq / Fotolia)

Blutegel werden auch bei der Behandlung von Arthrose eingesetzt.

(dbp/abz) Normalerweise geht man Blutegeln aus dem Weg. Diese räuberisch und parasitisch im Wasser lebenden Verwandten des Regenwurms haben nämlich die Angewohnheit, sich an der Haut ihres Opfers festzusaugen und mit ihren scharfen Zähnen die Haut aufzuritzen, um anschließend Blut abzusaugen. Soviel zur vordergründigen Täter-Opfer-Theorie. Tatsächlich lassen sich heute von Gelenkschmerzen geplagte Zeitgenossen die kleinen Tierchen gezielt auf die Haut setzen, weil dies eine gängige Methode zur Symptombehandlung der Arthrose darstellt, deren Wirkung übrigens auch wissenschaftlich belegt ist.

Vom Mittelalter zur modernen alternativen Behandlung

Die Blutegeltherapie ist ein uraltes Ableitungsverfahren. Sie gründet sich auf der einst verbreiteten Vorstellung, dass Krankheiten durch „schlechte Säfte“ im Blut ausgelöst werden, die es durch Ableiten des Blutes zu verdünnen gilt. Inzwischen steht aber ein ganz anderer Effekt im Vordergrund: Der Speichel der zehn bis 15 Zentimeter langen Tiere enthält verschiedene Wirkstoffe, die durch den Biss in den menschlichen Blutkreislauf übergehen. Der Bedeutendste heißt Hirudin und hemmt die Blutgerinnung. Zudem enthält der Speichel entzündungshemmende und gefäßerweiternde Stoffe.

Alles in allem fördert ein Blutegelbiss also die Durchblutung und ist deshalb vor allem für Patienten mit Durchblutungsstörungen und venösen Erkrankungen interessant. Behandelt werden oft auch Migräne, Gürtelrose, Schwellungen und Zerrungen. Heutzutage wird die Blutegeltherapie sowohl von Heilpraktikern als auch von Fachärzten angeboten, z. B. an Rheumakliniken zur Schmerzstillung bei Gelenkentzündungen oder auch in der Chirurgie zur Unterstützung der Wundheilung.

Die Tiere saugen bis zu eineinhalb Stunden

Je nach Patient und Krankheitsbild werden auf die betroffene Körperregion – bei einer Kniearthrose (Gonarthrose) etwa auf das Knie – zwei bis zehn Blutegel gesetzt. Die Tiere suchen sich dann von selbst die ideale Stelle für den Biss, den der Patient nur als ein leichtes Stechen ähnlich wie bei einem Mückenstich spürt. Einmal festgebissen, saugt ein Egel zwischen einer halben und eineinhalb Stunden lang – je nach Größe – fünf bis zehn Milliliter Blut ab. Hat er sich vollgesaugt, fällt er von selbst ab. Die Tiere sollten nicht vorher gewaltsam abgenommen werden, da sie sonst womöglich gequetscht werden und Bakterien aus ihrem Darminhalt in die Wunde gelangen. Um Infektionen zu vermeiden, wird jeder Blutegel nur einmal eingesetzt.

Nach dem Abfallen bluten die Bisswunden einige Stunden nach, was aus Gründen der Wundreinigung auch erwünscht ist. Nebenwirkungen sind nur wenige und sehr leichte bekannt: Rund um die Bissstelle bildet sich oft ein Hämatom und sie juckt etwas beim Verheilen. Auch fühlen sich viele Patienten nach der Behandlung geschwächt, weshalb sie einige Zeit ruhen sollten. Nicht empfohlen wird die Blutegeltherapie bei Patienten mit Blutgerinnungsstörungen – über solche Kontraindikationen und möglichen Risiken klärt der Behandler seine Patienten selbstverständlich schon im Vorfeld auf.

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