Tabuthema Tod – bei Organspende unumgänglich

Für die Feststellung des Hirntodes sind zwei in der Intensivmedizin erfahrene Ärzte erforderlich, die nicht dem Transplantationsteam angehören dürfen. (Foto: DSO / Johannes Rey)
Für die Feststellung des Hirntodes sind zwei in der Intensivmedizin erfahrene Ärzte erforderlich, die nicht dem Transplantationsteam angehören dürfen. (Foto: DSO / Johannes Rey)

Die sichere Hirntoddiagnose ist eine der Voraussetzungen für die Organentnahme

(dbp/auh) Das Thema Organspende berührt viele tabuisierte Bereiche des menschlichen Lebens und Sterbens. Für die rund 11.000 Menschen, die in Deutschland auf ein Spenderorgan warten, geht es ums Überleben. Für die Angehörigen eines Hirntoten geht es um die Würde des Sterbens und Trauerns. Und auch die meisten anderen kommen um die Beschäftigung mit dem verdrängten Thema Tod nicht herum, wenn sie sich fragen, ob sie wirklich „Ja“ ankreuzen sollen auf der Rückseite des Organspendeausweises.

Mehrheit befürwortet Organspende

Tatsächlich steht eine Mehrheit der Deutschen (78 Prozent) der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber. Das ist zumindest eines der Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die Anfang 2014 von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlicht wurde. Danach waren 68 Prozent der im Jahr 2013 Befragten zu einer Organspende bereit, aber nur 28 Prozent besaßen einen Organspendeausweis.

Womöglich scheuen viele Menschen, sich mit den Details von Organspende und -transplantation vertraut zu machen und sich anschließend definitiv für oder gegen die Organspende zu entscheiden. Insbesondere zum Thema Hirntod gibt es Aufklärungsbedarf. In Deutschland ist die Hirntoddiagnose eine der zwingenden Voraussetzungen für die Organentnahme zum Zweck der Transplantation.

Hirntod ist unumkehrbar

Erst im März 2014 haben sich mehrere Fachgesellschaften noch einmal sehr genau zur Hirntoddiagnostik geäußert: „Der Hirntod bedeutet den Tod des Individuums, festgestellt durch den irreversiblen Ausfall der Gesamtfunktionen des Gehirns“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) und der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI). Dieser nachweislich unwiederbringliche Ausfall aller Teilbereiche des Gehirns muss von zwei in der Intensivmedizin erfahrenen Ärzten – unabhängig voneinander – festgestellt werden. Die beiden dürfen nicht dem Transplantationsteam angehören.

Herz und Kreislauf müssen funktionieren

Der Hirntod kann nur bei aufrechterhaltener Herz- und Kreislauffunktion und maschineller Beatmung diagnostiziert werden. Bei einem Organspender werden diese Geräte nach der Todesfeststellung nicht ausgeschaltet. Er wird weiterhin künstlich beatmet, sein Herz schlägt, seine Organe werden durchblutet. Weil auch Rückenmark, Nerven und Muskulatur dadurch aktiv bleiben, kann es durchaus zu Bewegungen der Arme und Beine kommen – auch während der Organentnahme. Deshalb werden laut BZgA „teilweise Medikamente zur Entspannung der Muskulatur verabreicht“. Die Fähigkeit, Schmerzen wahrzunehmen sei jedoch wegen des Ausfalls der gesamten Hirnfunktionen unmöglich.

Dennoch: Für viele Angehörige, insbesondere für Eltern verstorbener Kinder ist das eine schwer erträgliche Vorstellung. Andere wiederum empfinden es als tröstlich, dass der Tod des geliebten Menschen einem anderen Patienten das Leben retten kann.

Letztlich muss jeder für sich entscheiden, wie er zur gängigen Praxis von Organspende und Organtransplantation steht. Vorher sollte er sich aber gut informieren. Denn auch, wenn er für sich selbst keine Wahl treffen möchte, so kann er doch als Angehöriger in die Situation kommen, dass er danach gefragt wird.