Süchtig nach Sport

Laufen kann süchtig machen. (Foto: flucas / Fotolia)
Laufen kann süchtig machen. (Foto: flucas / Fotolia)

(dbp/spo) Triathlon, Laufen, Radfahren – wer Ausdauersportarten exzessiv betreibt, kann süchtig danach werden.

Das zeigt eine gemeinsame Studie von Sportwissenschaftlern der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Halle-Wittenberg.

Die Forscher hatten 1089 Athleten zu ihrem Sportverhalten befragt. „Immerhin 4,5 Prozent der untersuchten Sportler waren sportsuchtgefährdet“, sagt der Erlanger Sportpsychologe Dr. Heiko Ziemainz. Besonders gefährdet seien Triathleten und Sportler, die schon jahrelang und sehr häufig trainieren: „Sie wollen eine positive Stimmung aufrecht erhalten.“

Entzugserscheinungen wie bei anderen Süchten

Wer regelrecht sportsüchtig ist, achtet nicht mehr auf seinen Körper und seine Umwelt. Er trainiert zum Beispiel auch bei Schmerzen weiter und nimmt sein soziales Umfeld weniger wahr. Betroffene haben den Angaben zufolge Entzugserscheinungen genau wie Raucher oder Alkoholiker. Trainieren sie längere Zeit nicht, werden sie unruhig, schlafen oft schlecht oder berichten gar von depressiven Stimmungen. In der Studie zeigte sich, dass es eine Vorstufe gibt: die Sportsuchtgefährdung. Wer gefährdet ist, zeigt zwar schon ähnliche Symptome, hat aber die Kontrolle über sein Sportverhalten noch nicht verloren und achtet auf körperliche Symptome.

In den Diagnosehandbüchern der Klinischen Psychologie tauche die Sportsucht nicht auf, bedauert Heiko Ziemainz. Allerdings müssten Süchtige durchaus behandelt werden. Gründe für exzessives Sporttreiben finden sich überdies in der Persönlichkeit: zum Beispiel in einem negativen Selbstwertgefühl, Zwanghaftigkeit oder dem Hang zum Perfektionismus.