Stress kann auch aufs Kreuz gehen

Dauerstress im Beruf kann chronische Rückenschmerzen verursachen. (Foto: Andrey Popov / Fotolia)
Dauerstress im Beruf kann chronische Rückenschmerzen verursachen. (Foto: Andrey Popov / Fotolia)

Rückenschmerzen können oft psychische Ursachen haben.

(dbp/wgt) Chronische Rückenschmerzen zählen in Deutschland zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden. Jede vierte Frau und jeder sechste Mann sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts mittlerweile betroffen. In den meisten Fällen haben die Schmerzen nicht nur körperliche Ursachen. Häufig ist auch die Seele beteiligt. So geht der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) davon aus, „dass über 85 Prozent der Rückenschmerzen mit psychischen Ursachen verbunden ist“.

Auf Stress im Beruf, Probleme in der Familie oder in der Partnerschaft reagieren viele Menschen mit Verspannungen der Rückenmuskeln, die sich auf Dauer verselbstständigen und zu chronischen Schmerzen führen können. Lassen sich trotz eingehender Untersuchungen keine körperlichen Ursachen finden, sprechen Experten von nichtspezifischen Rückenschmerzen und setzen bei der Therapie auf eine Kombination aus Bewegungsübungen und Entspannungsstrategien. Zwecks Verbesserung der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit empfiehlt die Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz bei chronischen nichtspezifischen Rückenbeschwerden ausdrücklich eine gezielte Bewegungstherapie. Bettruhe und Schonung sind dagegen tabu.

Entspannung für Körper und Seele

Neben der körperlichen Aktivierung spielen Entspannungsverfahren eine zentrale Rolle. Sie sollen nicht nur Muskelverspannungen lösen und Schmerzen lindern, sondern den Patienten auch bei der Stressbewältigung unterstützen. Die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) hat sich laut Nationaler Versorgungsleitlinie bei der Behandlung besonders bewährt. Die Patienten lernen dabei, das Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung der Muskulatur wiederherzustellen und auf Stresssignale und psychische Belastungen zu reagieren.

Auch autogenes Training hat sich bei chronischen Schmerzen und bei der Stressbewältigung als hilfreich erwiesen. Dabei wird der Entspannungszustand über eine Form der Selbsthypnose erreicht. Die Methode ist jedoch nicht einfach und sollte unter Anleitung eines erfahrenen Lehrers erlernt werden. Yoga kann ebenfalls helfen, den Rückenschmerz zu lindern. Die Technik setzt auf eine Verbindung von Bewegung und Entspannung und zielt darauf, stressbedingte Verspannungen abzubauen.

Multimodale Behandlungsmethoden

Mit multimodalen Therapieansätzen trägt die moderne Schmerzbehandlung den seelischen Ursachen zunehmend Rechnung. Mediziner, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten sowie Krankengymnasten arbeiten dabei eng zusammen. „Eine der wesentlichen Prämissen des dabei zugrunde liegenden Konzepts ist die Verlagerung des Behandlungsschwerpunkts von der symptomatischen Schmerzbehandlung auf die Behandlung gestörter körperlicher, psychischer und sozialer Funktionen“, erläutert Professor Michael Pfingsten von der Schmerzklinik der Universität Göttingen. Zum Konzept gehören deshalb auch psychotherapeutische Behandlungsmethoden, die dem Patienten Techniken zur besseren Bewältigung von Schmerzen und Stress vermitteln.

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Quellenangaben:
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (2013): Rückenschmerzen und Psyche. Pressemitteilung. Online: https://www.bdp-verband.de/bdp/presse/2013/15_BDP_Pressemitteilung.pdf; Bundesärztekammer u.a. (Hg.) (2015): Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-007k_S3_Kreuzschmerz_2015-10.pdf; Bundesärztekammer u.a. (Hg.) (2013): Patientenleitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-007p_S3_Kreuzschmerz_2013-08.pdf; Pfingsten, Michael (2012): Volkskrankheiten: Psychologie des Rückenschmerzes. In: Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (Hg.): Die großen Volkskrankheiten. Beiträge der Psychologie zu Prävention, Gesundheitsförderung und Behandlung. Jahresbericht 2012, S. 40-46. Online: http://www.bdp-verband.de/aktuell/2012/bericht/BDP-Bericht-2012.pdf; Robert Koch-Institut (Hg.) (2012): Rückenschmerzen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. H. 53. Online: http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/rueckenschmerzen.pdf ?__blob=publicationFile; Robert Koch-Institut (2015): Gesundheit in Deutschland 2015. Online: http://www.rki.de/DE/Content/ Gesundheitsmonitoring/ Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsGiD/2015/02_gesundheit_in_deutschland.pdf?__blob=publicationFile

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