Stammzellen spenden kann Leben retten

Für eine Typisierung wird Blut benötigt oder ein Abstrich von der Wangenschleimhaut. (Foto: angellodeco / Fotolia)
Für eine Typisierung wird Blut benötigt oder ein Abstrich von der Wangenschleimhaut. (Foto: angellodeco / Fotolia)

Je mehr Menschen sich typisieren lassen, desto größer die Chance, einen Spender zu finden

(dbp/auh) Stammzellen-Spende. Knochenmark-Transplantation. Das sind Themen, mit denen man sich erst dann beschäftigt, wenn es einen selbst oder einen geliebten Menschen betrifft. Oder, wenn in der Lokalzeitung zur Teilnahme an einer „Typisierungsaktion“ aufgerufen wird. Man soll sich als möglicher Stammzellspender registrieren lassen, um eine Transplantation für einen an Blutkrebs erkrankten Menschen zu ermöglichen. Doch was heißt eigentlich „typisieren“? Und wie läuft eine Stammzellen-Spende genau ab?

Was bedeutet Typisierung?

Um herauszufinden, ob jemand als Stammzellen-Spender für einen bestimmten Patienten infrage kommt, muss Blut oder Mundschleimhaut untersucht werden. Die Blutgruppe ist unwichtig. Es kommt auf die sogenannten HLA-Merkmale an, die übereinstimmen müssen. HLA ist eine Abkürzung für den englischen Begriff „Human Leukocyte Antigen“. Dabei handelt es sich um Oberflächenmerkmale, die sich auf den weißen Blutkörperchen und den meisten anderen Körperzellen finden. Durch sie kann das Immunsystem eigenes von fremdem Gewebe unterscheiden. Sie sind entscheidend für die Gewebeverträglichkeit bei Transplantationen. Bei einer Typisierung werden daher die HLA-Merkmale bestimmt.

Bei Geschwistern besteht eine Chance von 25 Prozent, dass diese Gewebemerkmale übereinstimmen. Die Möglichkeit, im weiteren Familienkreis einen passenden Spender zu finden, ist dagegen genauso hoch wie in der übrigen Bevölkerung.

Man muss übrigens nicht darauf warten, dass in Wohnortnähe eine Typisierung stattfindet. Bei 28 Spenderdateien in Deutschland kann man sich registrieren lassen. Die Adressen gibt es beim Zentralen Knochenmarkspender-Register für Deutschland (ZKRD) unter www.zkrd.de/de/adressen. Ganz gleich, wo man sein Blut oder seine Mundschleimhaut testen lässt: Die für die Transplantation relevanten Daten landen alle beim ZKRD. Denn dort laufen auch alle Suchanfragen zusammen.

Was passiert nach der Registrierung?

Sobald ein Suchauftrag beim ZKRD eingeht, werden die individuellen Gewebemerkmale des Patienten mit den Daten von mittlerweile mehr als fünf Millionen potenziellen Spendern abgeglichen. Weltweit hat das ZKRD sogar Zugriff auf die Daten von knapp 23 Millionen Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, den idealen Stammzellenspender zu finden, liegt bei 1 zu 20.000, bei seltenen Gewebemerkmalen ist die Chance noch wesentlich kleiner.

Nach Angaben der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) kommt es bei höchstens fünf von hundert Registrierten innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einer Spende. Im Jahr 2013 wurden rund 5.200 Deutsche „zur Ader gelassen“, das heißt bei ihnen wurden die Stammzellen aus dem Blut entnommen (periphere Blutstammzellentnahme). Für etwa 1.100 Freiwillige war die Spende mit einer Vollnarkose verbunden, denn bei ihnen wurden die Zellen aus dem Knochenmark benötigt. Dabei wird mit einer Hochnadel in den Beckenknochen gestochen. Welche Spendenmethode zum Einsatz kommt, hängt nicht vom Spender, sondern vom Gesundheitszustand des Empfängers ab.

Jeder, der sich typisieren und registrieren lässt, sollte prinzipiell auch für eine Knochenmarkentnahme aus dem Becken bereit sein. Das fällt sicher leichter, wenn man weiß, dass für den Empfänger die Transplantation meist die letzte Chance ist, zu überleben.