Stärkung für das schwache Herz

Bei Verdacht auf Herzschwäche gehört ein EKG zur Diagnostik. (Foto: Alexander Raths / Fotolia)
Bei Verdacht auf Herzschwäche gehört ein EKG zur Diagnostik. (Foto: Alexander Raths / Fotolia)

Zur Therapie der Herzinsuffizienz stehen verschiedene Medikamentengruppen zur Verfügung.

(dbp/nas) Bis ein Mensch 70 Jahre alt ist, hat sein Herz rund 3 Milliarden Male geschlagen. Jeden Tag pumpt es ein Volumen von etwa 7.000 Litern durch den Körper. Verschiedene Erkrankungen können es jedoch so stark schädigen, dass eine Herzinsuffizienz entsteht – der Herzmuskel ist geschwächt und nicht mehr in der Lage, genug Blut durch den Organismus zu transportieren.

Typische Symptome für eine Herzschwäche sind Erschöpfung und Luftnot – zunächst bei größeren Anstrengungen, später auch schon bei geringer Belastung oder sogar in Ruhe – sowie Wasseransammlungen im Gewebe. Auch Schmerzen in der Brust können ein Alarmsignal sein. Wer unter solchen Beschwerden leidet, sollte dringend einen Arzt aufsuchen, rät Professor Dr. Carsten Tschöpe, Sprecher der Arbeitsgruppe „Chronische Herzinsuffizienz“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Elektrokardiogramm und Echokardiografie geben Aufschluss

Bluthochdruck, Arteriosklerose (koronare Herzerkrankung), ein Klappendefekt, ein Infarkt, Rhythmusstörungen oder eine Herzmuskelentzündung (zum Beispiel durch eine verschleppte Grippe) – all das sind mögliche Ursachen einer Herzinsuffizienz. Besteht der Verdacht auf diese Erkrankung, gehört das Abhören von Herz und Lunge ebenso zur Diagnostik wie ein EKG (Elektrokardiogramm), also die Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivitäten in Ruhe und unter Belastung. Das führt laut Professor Tschöpe in 70 Prozent zu einem Ergebnis.

Ansonsten kann es nötig sein, zudem eine Echokardiografie (einen Ultraschall des Herzens) zu machen oder in einigen Fällen auch eine Herzkatheteruntersuchung. Die Entnahme einer Gewebeprobe mittels einer Biopsie kann bei Bedarf klären, ob ein Virus nachweisbar ist. Und manchmal lässt sich trotz aller Sorgfalt und Technik nicht zweifelsfrei herausfinden, was die Insuffizienz verursacht hat, erklärt Professor Tschöpe.

Diuretika, ACE-Hemmer und Betablocker werden eingesetzt

Herzschwächen werden mit Medikamenten behandelt, die das Herz entlasten und die Symptome lindern, so der Kardiologe. Dazu gehören unter anderem Diuretika, die man auch „Wassertabletten“ nennt, weil sie bewirken, dass die Nieren verstärkt Salz und Wasser ausscheiden. Betablocker senken Blutdruck und Herzfrequenz und vermindern die Arbeit, die das Herz leisten muss. Die Frequenz müsse dabei genau zwischen 60 und 70 Schlägen pro Minute eingestellt sein, sagt Professor Tschöpe.

ACE-Hemmer, AT-II-Antagonisten und Aldosteronantagonisten wiederum verbessern die Herztätigkeit, indem sie ein bestimmtes Hormonsystem hemmen, das Nieren und Gefäße beeinflusst.

Bei einer schwergradigen Insuffizienz (wenn die Herzkraft trotz aller Therapieansätze keine 30 Prozent mehr aufweist), kann ein kleiner Defibrillator unter die Haut implantiert werden – als Prophylaxe, weil man wisse, dass diese Patienten zu tödlichen Rhythmusstörungen neigen.

Eine Herztransplantation sei eine Option für junge Menschen, bei denen bereits eine starke Schädigung vorliegt, sagt Professor Tschöpe. Wichtig sei bei Herzschwäche, eine dauerhafte Schonhaltung zu vermeiden. Jeder stabilisierte Patient, der keine Notfallmedikamente mehr benötigt, darf und soll sich körperlich betätigen. Ab wann und in welchem Umfang, das entscheidet der Arzt.