Sport statt Medizin? Sport ist Medizin!

Muskelaufbautraining kann nicht nur vorbeugend, sondern auch therapeutisch bei vielen Krankheiten von Nutzen sein. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)
Muskelaufbautraining kann nicht nur vorbeugend, sondern auch therapeutisch bei vielen Krankheiten von Nutzen sein. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)

Körperliches Training hat therapeutische Wirkung bei Herzpatienten und Diabetikern

(dbp/auh) Der Blutdruck ist zu hoch, das HDL-Cholesterin zu niedrig, der Blutzucker sollte beobachtet und das Körpergewicht reduziert werden. Dieser Befund, der grob das sogenannte metabolische Syndrom beschreibt, trifft in der Altersgruppe zwischen 50 und 70 Jahren auf etwa 40 Prozent der Deutschen zu.

Gefährlich ist das Zusammentreffen dieser Faktoren, weil sie das Risiko für Gefäßerkrankungen und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. Das ist der Grund, warum dem metabolischen Syndrom bereits im frühen Stadium gegengesteuert werden sollte. Und wie? Am besten mit Sport. „Regelmäßige körperliche Bewegung, möglichst 30 Minuten täglich, ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung eines metabolischen Syndroms. Bewegung erhöht den Energieverbrauch und trägt so dazu bei, die Blutfette zu senken und Übergewicht abzubauen“, erläutert der Berufsverband der Internisten (www.internisten-im-netz.de).

Auch beim Sport gilt: Die Dosis macht das Gift

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Menschen mit Bluthochdruck und anderen Herz- und Gefäßkrankheiten empfohlen wurde, sich zu schonen. Körperliche Anstrengungen galten als gefährlich für den ohnehin schon belasteten Kreislauf. Richtig ist: Bei Sport steigt der Blutdruck. Menschen mit sehr hohem Blutdruck sollten sich deshalb vorab ärztlich beraten und untersuchen lassen. Das richtige Maß ist beim sportlichen Training genauso wichtig wie die richtige Dosierung eines Medikaments.

Richtig atmen schont die Gefäße

Unbedingt vermieden werden müssen extrem hohe Blutdruckspitzen. Das ist einer der Gründe, warum Sportmediziner dem Krafttraining den Vorzug geben vor reinem Ausdauersport. Denn der kurzfristige Anstieg des Blutdrucks ist beim Laufen oder Radfahren höher als beim Muskeltraining mit Gewichten oder an Geräten. Vorausgesetzt, die Atemtechnik stimmt: Herzpatienten, aber auch gesunde ältere Hobbysportler sollten unbedingt die sogenannte Pressatmung (das Luftanhalten bei Belastung) vermeiden, weil dadurch der Blutdruck steil ansteigt. Stattdessen gilt: Ausatmen in der Belastungsphase, Einatmen in der Entlastungsphase.

Nach sechs Monaten bessere Werte

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung können Hypertoniker (Menschen mit Bluthochdruck) mit einem „korrekt dosierten“ Training ihren Blutdruck um etwa fünf bis zehn mmHg senken. Eine Langzeitstudie der Techniker Krankenkasse (TK) hat jüngst weitere Belege für die therapeutische Wirkung von Sport ermittelt. Nach einem sechsmonatigen Trainingsprogramm unter sportmedizinischer Betreuung konnten insulinpflichtige Diabetiker ihre Medikamentendosis deutlich reduzieren. Auch auf das Lipidprofil (die Werte der Blutfette) hat Sport eine positive Wirkung: das „gute“ HDL-Cholesterin steigt und die Triglyzeride verringern sich.

„Durch unsere Studie können wir jetzt erstmals auf der Patienten-Versorgungsebene bestätigen, dass Sport signifikant die Leistungsfähigkeit und das kardiovaskuläre Risikoprofil bei Herz-Kreislaufpatienten und Diabetikern verbessert“, so das Fazit von Professor Martin Halle von der Technischen Universität München, der das Programm für die TK entwickelt hat.