Spielerisch zu mehr Konzentration

Still sitzen und sich auf eine Sache konzentrieren – das fällt Kindern oft schwer. (Foto: Bilderbox)
Still sitzen und sich auf eine Sache konzentrieren – das fällt Kindern oft schwer. (Foto: Bilderbox)

Das Marburger Konzentrationstraining kann die schulischen Leistungen verbessern

(dbp/ihs) Viele Kinder zeigen in der Vor- und Grundschule Konzentrationsschwächen und ein geringes Durchhaltevermögen bei schulischen Aufgaben. Besonders deutlich wird das, wenn Kinder in Gruppen lernen. Um ihnen zu helfen, hat der Marburger Schulpsychologe Dieter Krowatschek (1942-2011) ein Konzept entwickelt, das als „Marburger Konzentrationstraining“ bekannt wurde. Dabei lernen die Kinder in Gruppensitzungen, sich auf Aufgabenstellungen zu konzentrieren.

„Es gibt Kinder, die unheimlich lange für ihre Schularbeiten brauchen, dabei motorisch sehr unruhig und vergesslich sind und ihre Bedürfnisse schlecht zurückstellen können“, sagt der Diplompsychologe und Sprecher des Vereins zur Förderung überaktiver Kinder Gordon Wingert, der in Marburg diese Methode seit mehr als zehn Jahren anwendet. Bei 70 Prozent dieser Kinder zeige sich bereits nach einem sechswöchigen Training (einmal in der Woche für 75 Minuten) eine Verbesserung und sie seien weniger abgelenkt. Das Training richte sich an Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse.

Vorgegebene Strukturen einhalten lernen

Beim Marburger Konzentrationstraining kommen Kinder in Gruppen zusammen, die Größe variiert zwischen vier und acht. Ziel ist es, den Kindern zu helfen, einen anderen Umgang mit Fehlern zu finden, Zutrauen in das eigene Können zu entwickeln und sich verbal Selbstinstruktionen zu geben.

Das Training für die Kinder erfolgt nach einer gleichbleibenden Struktur. Dynamische Übungen bauen die angestaute Energie des Tages ab, dann folgen Entspannungsübungen und schließlich wird das Kurzzeitgedächtnis trainiert. Wingert: „Die Kinder lernen, eine Aufgabe Schritt für Schritt zu erfassen und umzusetzen.“ Dabei sprechen sie die einzelnen Schritte laut vor, bis sie die Vorgehensweise verinnerlicht haben. Die Kinder würden nicht nur einen reflektierenden Arbeitsstil trainieren, sondern auch lernen, vorgegebene Strukturen einzuhalten.

Die ganzheitliche Wahrnehmung fördern

Die Kinder werden laut Wingert durch Denk- und Erzählspiele in der Sprach- und Gedächtnisleistung gefördert, ihre Grob- und Feinmotorik werde spielerisch entwickelt und Entspannungsübungen sowie Gruppenregeln förderten eine ganzheitliche Wahrnehmung. Wichtig sei, dass das Kind viel gelobt und über einen Punkteplan motiviert werde.

Das Marburger Konzentrationstraining wurde zu Beginn der 1990er Jahre entwickelt und wird seither wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse deuten auf positive Effekte in unterschiedlichen Bereichen. „Die Kinder“, sagt Gordon Wingert, „haben einen verbesserten Arbeitsstil, könnten sich länger konzentrieren, ließen sich weniger ablenken, trauten sich mehr zu und zeigten bessere Leistungen. Bei sehr hyperaktiven Kindern mit problematischem Verhalten kann das Training unterstützend wirken, ein Verhaltenstraining sei hier aber sinnvoller.

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