Spezielle Handgriffe lösen Schwellungen auf

Die Lymphdrainage ist eine spezielle Massage, die nicht der Lockerung der Muskulatur dient, sondern dem Abtransport der Lymphflüssigkeit. (Foto: naka / Fotolia)
Die Lymphdrainage ist eine spezielle Massage, die nicht der Lockerung der Muskulatur dient, sondern dem Abtransport der Lymphflüssigkeit. (Foto: naka / Fotolia)

Die manuelle Lymphdrainage hilft bei vielen Formen von Ödemen

(dbp/auh) Die manuelle Lymphdrainage ist eine Sonderform der Massage. In der Regel wird sie nicht isoliert angewendet, sondern als Teil der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE). Diese physiotherapeutische Behandlung wird bei Ödemen (Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe) ärztlich verordnet.

Das Lymphsystem funktioniert, vereinfacht gesagt, so: Die Lymphgefäße sammeln überall im Körper Gewebeflüssigkeit (die Lymphe) ein. Darin enthalten sind neben Abfallprodukten des Stoffwechsels auch gefährliche Bestandteile wie Tumorzellen oder Bakterien. Diese werden in den Lymphknoten gefiltert und unschädlich gemacht. Anschließend gelangt die Lymphe in das Venensystem und mischt sich mit dem venösen Blut.

Anders als die Venen haben die Lymphgefäße eigene Muskelzellen und pumpen etwa zehnmal in der Minute. Diese sogenannte Lymphpumpe wird von Bewegungen jeglicher Art unterstützt. Schon Puls und Atmung helfen dabei. Noch mehr Bewegung wäre besser. Das spürt, wer den ganzen Tag sitzen oder stehen muss. Am Abend sind die Beine schwer, manchmal die Knöchel geschwollen.

Ein Lymphödem muss behandelt werden

Bei einem Lymphödem ist die Schwellung permanent und kann gefährlich werden. Häufig bekommen Frauen nach einer Brustkrebsoperation ein Lymphödem. Die KPE ist in diesen Fällen die Standardtherapie. Eva Streicher, Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Manuelle Lymphdrainage und Entstauungstherapie im Deutschen Verband für Physiotherapie, nennt weitere Formen von Ödemen, bei denen die KPE verordnet wird: Schwellungen nach Operationen oder Trauma, erworbene oder angeborene Lymphödeme, Schwellungen im Zusammenhang mit Venenerkrankungen, bei Sklerodermie oder auch bei Lipolymphödemen.

Lymphdrainage tut nicht weh

Die Physiotherapeutin, die auch als Lymphtherapeutin und Fachlehrerin arbeitet, beschreibt, wie die manuelle Lymphdrainage funktioniert: Mit speziellen Handgriffen werden die Lymphgefäße angeregt, die Pumpleistung gesteigert und folglich kann die angestaute Flüssigkeit in Richtung der zuständigen Lymphknoten abfließen. Das Gewebe schwillt ab, die Spannungsschmerzen werden gelindert und die Beweglichkeit kehrt zurück. „Die manuelle Lymphdrainage beginnt immer am Hals, dort wo die großen Lymphgefäße in den Venenwinkel einmünden. Die Griffe sind sanft, langsam, gleichmäßig und rhythmisch. Die Lymphdrainage darf keine Schmerzen oder Hautrötungen auslösen“, erläutert die Expertin.

Nach der manuellen Lymphdrainage wird ein spezieller Kompressionsverband angelegt. Wenn die betroffene Körperregion vollständig „entstaut“ ist, kann ein Kompressionsarmstrumpf oder Beinstrumpf angemessen werden. Lymphdrainage und Kompressionstherapie sind Langzeitbehandlungen, die Hand in Hand gehen und sich ergänzen. Regelmäßige, tägliche Bewegungsübungen, bei denen die Kompressionsbandagen und -strümpfe getragen werden müssen, erhöhen den entstauenden Effekt der Lymphdrainage.

Die manuelle Lymphdrainage darf von speziell dafür weitergebildeten und geprüften Physiotherapeuten durchgeführt werden. Unter www.physio-deutschland.de steht im Internet eine Physiotherapeutensuche zur Verfügung.