Smartphone-Süchtigen droht der „Handynacken“

Beim Telefonieren und Simsen sollte man seinen Kopf möglichst gerade halten. Das beugt schmerzhaften Verspannungen im Nacken vor. (Foto: S. Birkelbach/Fotolia)
Beim Telefonieren und Simsen sollte man seinen Kopf möglichst gerade halten. Das beugt schmerzhaften Verspannungen im Nacken vor. (Foto: S. Birkelbach/Fotolia)

Wer zu lange aufs Mobiltelefon guckt, schadet seiner Wirbelsäule

(dbp/spo) Eigentlich ist er ein Meilenstein der Evolution. Doch der aufrechte Gang scheint uns Menschen gar nicht mehr so wichtig zu sein. Wie durstige Primeln lassen wir freiwillig die Köpfe hängen, oft stundenlang. Schließlich gilt es, wichtige Dinge auf dem Smartphone oder Tablet zu betrachten. Das kann allerdings auf Dauer zu schmerzhaften Nackenproblemen führen.

Den „Maus-Arm“ kannte man schon – jene ziehenden Schmerzen in Handgelenk und Ellenbogen vom ständigen Klicken am PC. Inzwischen beschäftigt auch der „Handynacken“ die Mediziner. Noch mehr, seit eine Studie des New Yorker Wirbelsäulenchirurgen Kenneth K. Hansraj aus dem Jahr 2014 verdeutlichte, welche Zugkräfte wirken, wenn wir den Kopf über längere Zeit nach vorne geneigt halten.

Als säße ein Kleinkind im Nacken

In gerader Haltung lastet der Kopf eines Erwachsenen mit etwa fünf Kilogramm auf der Wirbelsäule. Bei einem Neigungswinkel von 30 Grad – wie etwa beim Lesen von Mails oder SMS – sind es Hansraj zufolge schon gut 18 Kilogramm. Wer sich um 60 Grad nach vorne neigt – zum Beispiel, wenn das Tablet auf den Knien liegt –, trägt sogar eine Last von mehr als 27 Kilogramm. Das ist, als würde ein siebenjähriges Kind im Nacken sitzen. Klar, dass Muskulatur und Wirbelsäule dafür nicht gerade dankbar sind. Vor allem, wenn die Belastung täglich mehrere Stunden anhält, was für viele Smartphone- und Tabletnutzer ein durchaus realistischer Zeitraum ist.

„Die Folge sind Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur mit teilweise schmerzhaften Bewegungseinschränkungen“, so der Münchner Orthopäde Dr. Reinhard Schneiderhan. „Außerdem beobachten wir Spannungskopfschmerzen.“ Langfristig könnten durch die Überbelastung sogar die Bandscheiben der Halswirbelsäule verschleißen, sagt er.

Die Lösung lautet: Abwechslung schaffen für Muskeln und Wirbel. Hansraj, Schneiderhan und ihre Kollegen raten den Usern, öfter mal Handy-Pausen einzulegen oder zumindest zwischendurch die Körperhaltung zu verändern. Auch hin und wieder in die Ferne schauen hilft, die Augen- und Nackenmuskulatur zu entlasten.

Haltung verbessern, Sport treiben

Ein weiterer Tipp: Beim Verfassen von Nachrichten das Smartphone etwas höher halten, damit der Kopf nicht so stark geneigt werden muss. Wer vorher weiß, dass er lange Zeit auf den Bildschirm starren muss, sollte eher einen Laptop nutzen, der auf einem Tisch platziert ist. Oder ein Tablet, das aufrecht in eine Halterung geklemmt wird.

Eine weitere Maßnahme zur Vorbeugung von Beschwerden ist regelmäßiger Sport, sagt Professor Dr. Christoph Heyde, Orthopäde am Uniklinikum Leipzig. Denn ein gesunder, gut trainierter Rücken, kann Fehlbelastungen viel besser wegstecken.

Übrigens: Neben dem Handynacken verursacht übermäßiges Simsen und Surfen noch weitere Probleme. Den schmerzenden „SMS-Daumen“ zum Beispiel, vom vielen Tippen und Wischen. Oder das, was Experten „Gorilla-Arm“ nennen: Eine Überlastung von Arm- und Schultermuskulatur, wenn der Arm ständig ausgestreckt gehalten wird, um Touch-Screens zu bedienen.