Sit-ups allein helfen nicht gegen Bauchspeck

Wer Körperfett abbauen will, sollte Sportarten wie Radfahren, Joggen oder Walken wählen. (Foto: Kzenon/Fotolia)
Wer Körperfett abbauen will, sollte Sportarten wie Radfahren, Joggen oder Walken wählen. (Foto: Kzenon/Fotolia)

Wer durch Sport abnehmen will, sollte das ganze Herz-Kreislauf-System trainieren

(dbp/spo) Ein Training mit leerem Magen hilft dabei, schneller abzunehmen; spezielle Gymnastik lässt gezielt Bierbauch und Reiterhosen schrumpfen – immer wieder kursieren solche Ratschläge über den schnellsten sportlichen Weg zur Traumfigur. Manches davon stimmt aber gar nicht, sagt Professor Winfried Banzer, Leiter der Abteilung Sportmedizin an der Frankfurter Goethe-Universität.

Beispiel Bauchspeck: Die These, man könne durch Sit-ups oder andere Bauchübungen ungeliebte Röllchen gezielt wegtrainieren, halte sich hartnäckig, so Banzer. „Das ist allerdings nicht möglich.“ Gleiches gilt für Reiterhosen oder Speck am Po, die auch nicht alleine durch ein paar Beinpressen verschwinden. Zwar werde in jenen Muskeln, die bei solchen Übungen besonders aktiv sind, nachweislich mehr Fett abgebaut, allerdings füllen sich die stärker geleerten Fettdepots später offenbar einfach wieder auf.

Große Muskelgruppen arbeiten lassen

Was also tun? Wer sichtbar Körperfett verlieren möchte, müsse dafür möglichst viele große Muskelgruppen im Körper möglichst lange arbeiten lassen, sagt der Sportmediziner. Am effektivsten passiert das bei aeroben Trainingsformen wie Joggen, Walken oder Radfahren. Dennoch sollten auch Kräftigungsübungen wie Sit-ups und Beinpressen in jeden Trainingsplan gehören. Sie fördern den Muskelaufbau und lassen Bauch, Beine und Po wenn schon nicht schlanker, immerhin straffer aussehen.

Eine weitere These, die Banzer als nicht ganz richtig entlarvt, ist die des Ausdauertrainings auf nüchternen Magen. Dieses soll die Kilos angeblich viel schneller purzeln lassen. Wer mit leerem Bauch Sport treibt, greift die Fettreserven schneller an und muss nicht erst das Gegessene verbrennen, heißt es. Zwar haben Studien durchaus belegt, dass beim Nüchtern-Training ein höherer Fettanteil verbrannt wird, aber das heißt noch lange nicht, dass das auch zum schnelleren Abnehmen führt, meint der Professor.

Der Kalorienverbrauch zählt

Der Grund: Wer vor dem Training nichts gegessen hat, kann weniger leisten und deshalb insgesamt weniger Energie verbrauchen. Außerdem besteht die Gefahr der Unterzuckerung. Figurbewusste Freizeitsportler sollten deshalb lieber die allgemeine Leistungsfähigkeit ihres Herz-Kreislauf-Systems verbessern, als nur auf die Fettverbrennung zu achten.

Überhaupt sei die Zahl der verbrannten Kalorien viel wichtiger als der relative Anteil der Fettverbrennung, sagt Professor Banzer. Deswegen hält er wenig davon, wenn Abnehmwillige nur in bestimmten Pulsbereichen trainieren, weil hier die Fettverbrennung besonders effektiv ist. Wer abspecken will, sollte vielmehr regelmäßig und mit unterschiedlichen Intensitäten Sport treiben.

Das Grundproblem sei sowieso, dass die meisten im Alltag zu viel sitzen, meint Professor Banzer und empfiehlt, auch außerhalb des Fitnessstudios stärker in Bewegung zu kommen. Das geht oft ganz leicht: Wenn man zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit immer eine Station früher aussteigt, „läuft man 800 bis 900 Schritte mehr am Tag“.