Sicherheit der Blutprodukte steht an erster Stelle

Jeden Tag werden in Deutschland etwa 15.000 Blutspenden benötigt. (Foto: Gina Sanders / Fotolia)
Jeden Tag werden in Deutschland etwa 15.000 Blutspenden benötigt. (Foto: Gina Sanders / Fotolia)

Aktuelles EuGH-Urteil wird bei Änderung der Blutspende-Richtlinien berücksichtigt

(dbp/auh) Blutspenden gibt es nie zu viel. Während es in Büchereien oder Kleiderkammern schon mal heißt: „Wir nehmen keine Spenden mehr an“, wird man diesen Satz bei Blutspendediensten wohl niemals hören. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) werden in Deutschland jeden Tag 15.000 Blutspenden benötigt. Etwa drei Prozent der Deutschen sind laut DRK Blutspender, es müssten aber doppelt so viel sein, um die Versorgung mit Blutpräparaten langfristig ausreichend zu sichern.

Die Werbung um mehr Blutspender ist schon aus demografischen Gründen notwendig, denn der immer größer werdende Anteil von alten Menschen an der Gesamtbevölkerung ist ein Problem: Bei der Erstspende darf man nicht älter als 64 sein. Es gibt aber noch viele weitere Personengruppen, die nicht zur Blutspende zugelassen werden dürfen. Der Grund für die meisten Ausschlusskriterien: die Sicherheit der Blutspende soll gewährleistet werden.

Risiko „diagnostisches Fenster“

Es geht vor allem darum, das Infektionsrisiko für den Empfänger von Blut und Blutprodukten zu minimieren. Krankheiten, die durch Blutkomponenten übertragen werden können, sind zum Beispiel Leberentzündungen, verursacht von Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren oder die Immunschwächekrankheit Aids, verursacht von HI-Viren.

Natürlich wird jede Blutspende auf diese und viele andere Erreger untersucht. Aber es gibt ein „diagnostisches Fenster“, also die Zeit zwischen der Infektion und dem möglichen Nachweis von Antikörpern gegen den Erreger. Im diagnostischen Fenster ist das Blut zwar infektiös, kann aber nicht als solches erkannt werden. Im Fall einer HIV-Infektion dauert diese Phase mehrere Wochen. Ein direkter Virusnachweis mittels hochsensitiver Testsysteme (PCR) kann die Fensterphase verkürzen, aber nicht beseitigen.

Befristung statt lebenslangem Ausschluss

In den sogenannten Hämotherapie-Richtlinien wurde deshalb festgelegt, dass Männer, die Sex mit Männern haben (diese Personengruppe wird MSM genannt), generell und lebenslang vom Blutspenden ausgeschlossen sind. Diese strikte Regelung könnte in Zukunft gelockert werden. Eine Arbeitsgruppe, in der das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mitgearbeitet hat, kam bereits im Jahr 2012 zu der Empfehlung, dass MSM nur noch zeitlich befristet für ein Jahr vom jeweils letzten Sexualkontakt mit einem Mann vom Blutspenden zurückgestellt werden sollten.

Allerdings hielt die Bundesärztekammer (BÄK) eine solche Regelung für nicht mit dem EU-Recht vereinbar. In einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 29. April 2015 (Rechtssache C-528/13) wurde nun klargestellt, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür gegeben wären.

Nach aktuellen Angaben des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD) haben sich mehrere Bundesländer inzwischen dafür ausgesprochen, den generellen Ausschluss von homo- und bisexuellen Männern von der Blutspende aufzuheben. Der LSVD weist seit vielen Jahren darauf hin, dass nicht die sexuelle Orientierung, sondern riskante Sexualpraktiken („unsafes Verhalten“) das Infektionsrisiko erhöhen.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass bei der laufenden Aktualisierung der Hämotherapie-Richtlinien durch die BÄK im Einvernehmen mit dem PEI als zuständige Behörde das genannte Urteil berücksichtigt wird. Dazu teilte die BÄK unserer Redaktion mit, sie werde die Vorgaben des EuGH prüfen und beurteilen.