Sex macht nicht vor dem Alter halt

Für sexuelle Aktivitäten gibt es keine Altersobergrenze. (Foto: JPC-PROD / Fotolia)
Für sexuelle Aktivitäten gibt es keine Altersobergrenze. (Foto: JPC-PROD / Fotolia)

Liebe, Zärtlichkeit und Intimität sind keine Privilegien der Jugend

(dbp/wgt) Sex im Alter – gibt’s das überhaupt? Das fragen sich zumindest viele jüngere Menschen. Umfragen zeigen jedoch, dass Senioren ihr Sexualleben genießen.

Ein erfülltes Liebesleben ist keine Sache des Alters. Das fanden Wissenschaftler der Universität Rostock bei einer Umfrage heraus. Demnach nimmt bei Senioren die Zufriedenheit mit ihrem Sexualleben mit dem Alter eher zu. Jedenfalls wenn sie in Partnerschaften leben. 57 Prozent der befragten 63-Jährigen waren mit ihrem Liebesleben zufrieden, bei den 75-Jährigen waren es sogar 70 Prozent. Und diejenigen, die in jüngeren Jahren sexuell aktiver waren, blieben es auch im Alter.

Dass auch in der zweiten Lebenshälfte für viele Sex noch zum Alltag gehört, zeigt auch eine Untersuchung aus den USA. Von den Studienteilnehmern im Alter zwischen 57 und 64 Jahren waren 73 Prozent noch regelmäßig sexuell aktiv. In der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen waren es 53 Prozent und bei den Befragten zwischen 75 und 85 Jahren immerhin noch jeder Vierte. Verglichen mit ihren männlichen Altersgenossen hatten Frauen jedoch deutlich seltener Sex.

Körper setzt dem Verlangen Grenzen

Lässt die Lust auf Sex im Alter nach, so kann das viele Gründe haben. Häufig setzt der Körper dem Verlangen Grenzen, wie die Studie aus den USA bestätigt. So schwindet bei Frauen mit den weiblichen Hormonen oft auch das sexuelle Begehren, Scheidentrockenheit bereitet Schmerzen beim Verkehr, hinzu kommt bei 34 Prozent der sexuell aktiven Frauen die Unfähigkeit, zum Orgasmus zu kommen. Männer dagegen leiden in erster Linie unter Erektionsstörungen, aber auch bei ihnen lässt mit zunehmendem Alter die Lust auf Sex nach. Altersbedingt häufiger auftretende Gesundheitsprobleme wie Diabetes oder Bluthochdruck beeinträchtigen das Sexualleben noch zusätzlich.

Doch Sex ist mehr als Beischlaf. Mit zunehmendem Alter bekommen Nähe, Zärtlichkeiten und andere Formen der erotisch-sexuellen Intimität eine größere Bedeutung, wie die Rostocker Forscher herausfanden. Der Geschlechtsverkehr spielt für viele Senioren nicht mehr die zentrale Rolle, wie noch in der Jugend und im mittleren Alter.

Sex fördert das Wohlbefinden

Wie wissenschaftliche Studien belegen, hat Sex unabhängig vom Alter auch einen wichtigen Einfluss auf die Gesundheit. Regelmäßige körperliche Kontakte können das Wohlbefinden mithin auch im Alter positiv beeinflussen können. Sex setzt Endorphine frei und regt so das körpereigene Immunsystem an, sexuelle Aktivitäten senken die Stresshormone im Blut und reduzieren sogar das Infarktrisiko, wie Forscher der Universität Bristol bereits Ende der 1990er Jahre berichteten.

Demnach wiesen Männer, die zwei oder mehr Orgasmen in der Woche erlebten, im Vergleichszeitraum ein um die Hälfte geringeres Sterberisiko auf als ihre Geschlechtsgenossen, die weniger Höhepunkte hatten. Besonders deutlich zeigte sich dieser Effekt beim Sterberisiko infolge koronarer Herzerkrankungen.

Doch Sex im Alter ist nicht nur gut für Herz und Kreislauf, sondern auch für den Erhalt der geistigen Fähigkeiten. Das zumindest vermuten österreichische Hirnforscher, die gemessen haben, dass Sex die Tätigkeit des Gehirns anregt und die Gedächtnisleistung verbessert.

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Ärzte Zeitung online (2012): Sex im Alter bringt Spaß und hält Gehirn fit; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2003): Alter und Sexualität. Forum Sexualaufklärung und Familienplanung, Lindau, Stacy Tessler u.a. (2007): A Study of Sexuality and Health among Older Adults in the United States, www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa067423; Schulze, Holger (2008): Sex macht klug. In: Die PTA in der Apotheke, 11, 2008, S.12; Smith, George Davey u.a. (1997): Sex and death: are the related? Findings from the Caerphilly cohort study, www.bmj.com/content/315/7123/1641#alternate; Universitätsmedizin Rostock (2012): Sex im Alter hält jung; alle Seiten abgerufen im Dezember 2012