Selbstbestimmung ist auch in der Klinik möglich

Geschafft! Unendlich erschöpft und unsagbar glücklich – das ist die Gefühlsmischung der meisten jungen Mütter. (Foto: Misha / Fotolia)
Geschafft! Unendlich erschöpft und unsagbar glücklich – das ist die Gefühlsmischung der meisten jungen Mütter. (Foto: Misha / Fotolia)

Moderne Geburtshilfe im Krankenhaus lässt Raum für individuelle Vorstellungen

(dbp/auh) Noch bis vor 60 Jahren kamen die meisten Babys in Deutschland in der elterlichen Wohnung zu Welt, heute ist die Hausgeburt eine seltene Ausnahme. Nur 1,5 Prozent der Geburten in Deutschland finden außerklinisch statt, davon die Mehrzahl in einem Geburtshaus.

Frauen, die zur Geburt nicht in eine Klinik möchten, haben nach Angaben der „Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe“ (QUAG) mehrheitlich zwei Gründe für ihre Wahl: Sie möchten von ihrer vertrauten Hebamme bei der Geburt begleitet werden (75 Prozent) und sie legen großen Wert auf Selbstbestimmung (74,5 Prozent). Diese Wünsche lassen sich natürlich zu Hause, in einem Geburtshaus oder in einer anderen, von Hebammen geleiteten Einrichtung am besten verwirklichen. Es gibt heutzutage aber auch Geburtskliniken mit viel Freiraum für individuelle Vorstellungen.

Warme Farben auf der Geburtsstation

Die meisten Geburtskliniken in Deutschland bieten nicht nur umfassende medizinische Betreuung vor, während und nach der Geburt, sondern legen auch großen Wert auf die räumliche Gestaltung von Kreißsaal, Wochenbett- und Neugeborenenstation. Die typische „Krankenhausatmosphäre“ mit weißen Wänden und kalter Ausstrahlung ist aus den Geburtsstationen verschwunden. Einzug gehalten haben Farbe, Wärme und Behaglichkeit.

Auch in puncto Selbstbestimmung der Frau haben viele Kliniken dazugelernt: Die Schwangeren haben mehr Raum für die Verwirklichung individueller Wünsche bei der Geburtsvorbereitung und bei der Wahl der Geburtstechnik. Fast schon zum Standard gehören alternative und ganzheitliche Methoden wie Akupunktur und Homöopathie.

Alternative Gebärpositionen

Im Idealfall können verschiedene Geburtspositionen ausprobiert und gewechselt werden. Die klassische Rückenlage hat nämlich Nachteile: Zum einen bleibt die Wirkung der Schwerkraft ungenutzt. Außerdem nimmt im Liegen die Intensität der Wehen meist ab, was die Geburt unnötig in die Länge zieht. Alternative Gebärpositionen (sitzen, hocken, an einem Seil hängen, knien) werden von vielen Frauen als angenehmer und weniger schmerzhaft empfunden, weil sich das Becken besser weiten kann und die Wehen effektiver sind.

Auch eine Wassergeburt ist in vielen Krankenhäusern möglich. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eignet sich ein Wannenbad im warmen Wasser besonders zu Beginn der Geburt: „Der Auftrieb des Wassers reduziert das Eigengewicht und erleichtert dadurch die Bewegung. Wärme und Feuchtigkeit machen das Gewebe weich und dehnbar, Bauch und Beckenraum weiten sich, Dammrisse sind seltener“, heißt es auf www.familienplanung.de.

Wann ist eine Klinikgeburt ratsam?

Das subjektive Empfinden spielt ein große Rolle für die Wahl des Geburtsorts. Wenn sich eine Frau in der Klinik sicherer fühlt, ist sie dort am besten aufgehoben. Eine ärztlich betreute Geburt ist auch dann notwendig, wenn bereits in der Schwangerschaft Komplikationen auftraten. Außerdem sollten Schwangere mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Herz- oder Nierenproblemen auf jeden Fall zur Geburt in die Klinik, empfiehlt die BZgA. Frauen, die Mehrlingsgeburten erwarten, seien in einer Klinik besser aufgehoben. „Eine Klinikgeburt bietet die Gewissheit, dass im Notfall sofort medizinische Hilfe für die Mutter oder das Kind bereitsteht“, stellt die BZgA fest.