Sehnsucht nach Stille

Musiktherapie ist eine von vielen Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus. (Foto: Benicce / Fotolia)
Musiktherapie ist eine von vielen Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus. (Foto: Benicce / Fotolia)

Große Vielfalt an therapeutischen Möglichkeiten bei Tinnitus.

(dbp/mhk) Werden Ohrgeräusche zum Dauerzustand, spricht man von einem Tinnitus. Tinnitus ist keine Krankheit, sondern ein „subjektives“ Symptom, vergleichbar mit Schmerz, so die Deutsche Tinnitus-Liga (DTL), kann aber krankhafte Ausmaße annehmen: Die permanente Belastung kann Schlafstörungen oder Depressionen nach sich ziehen, die Lebensqualität der Betroffenen ist deutlich eingeschränkt.

Ein plötzlich auftretender Tinnitus infolge eines Hörsturzes oder starker Lärmeinwirkung sollte unverzüglich mit durchblutungsfördernden Medikamenten behandelt werden. Bei chronischem Tinnitus haben diese jedoch keine Wirkung mehr. Was tun? Es gibt zahlreiche, sehr vielfältige Therapieformen, aber keine mit Erfolgsgarantie: Akupunktur, Hypnose, Ohrmagnete, Ohrkerzen, Laserbestrahlung, pulsierende Signale, Magnetbehandlungen, elektromagnetische Stimulation oder eine (hyperbare) Sauerstofftherapie (HBO) in einer speziellen Druckkammer.

Lernen, das Geräusch zu überhören

Viele Therapien haben zum Ziel, die subjektive Wahrnehmung des Ohrgeräuschs beeinflussen zu lernen: den Tinnitus überhören, ihn wegfiltern, ihm keine Aufmerksamkeit schenken. Dabei können helfen: kognitive Verhaltenstherapie (Gruppengespräche, Strategien zur Aufmerksamkeitsumleitung und Stressbewältigung), Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT), Yoga, Entspannungstechniken, Biofeedback oder Neurofeedback, bei dem durch ein Elektroenzephalogramm (EEG) die Hirnaktivität bei Entspannungsübungen überprüft wird.

Wer zusätzlich zu den Ohrgeräuschen unter starker Schwerhörigkeit oder Hörverlust leidet, dem können Hörgeräte helfen. Sogenannte Tinnitus-Masker übertönen das Geräusch, „maskieren“, überlagern den Tinnitus und sollen ihn schließlich auslöschen. „Rauscher“ oder „Tinnitus-Noiser“ erzeugen (Alternativ-)Geräusche, die den Tinnitus nicht überdecken, sondern als Hintergrundrauschen von ihm ablenken, sodass das Ohrgeräusch immer mehr in den Hintergrund tritt.

Musiktherapie kann helfen

Macht sich der chronische Tinnitus als ein ständiges Pfeifen bemerkbar, bietet sich eine Klang- oder spezielle Musiktherapie an, mit klassischer, Entspannungs- oder Lieblingsmusik und zusätzlichen Entspannungsübungen.

Eine klinische Studie am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung (DZM) in Heidelberg untersucht eine spezielle Musiktherapie bei akutem Tinnitus „mit großem Erfolg“, so Studienleiterin Miriam Grapp. Es handelt sich um eine einwöchige Kompakttherapie, bei der Betroffene nicht nur speziell komponierte Entspannungsmusik zu hören bekommen. „Die Therapie richtet sich an die neuronalen Ursachen für Tinnitus im Gehirn, nicht nur an die psychologischen Symptome. Übungen regen die Verarbeitung des Hörzentrums im Gehirn an“, erklärt Grapp. Bei fast allen Teilnehmern habe sich sowohl die Lautstärke der Ohrgeräusche als auch die subjektive Belastung bedeutsam verringert.

Übrigens: Für die Selbstbehandlung gibt es ein musiktherapeutisches Klangkissen, das Lautsprecher, Kopfhörer und Abspielgeräte ersetzen könnte. Die Übertragungstechnik sorgt dafür, so der Hersteller, dass ein räumliches Hören mit einem hohen Anteil an Resonanzübertragung entsteht. Die Wirkung ist allerdings nicht belegt.

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Informationen des Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung DZM e.V. (www.dzm-heidelberg.de); Online-Informationen der Tinnitus Research Initiative (TRI) www.tinnitusresearch.org/; der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. Bonn, www.hno.org/; der Forschungsgemeinschaft Deutscher Hörgeräte-Akustiker (DDHA) http://www.fdha.de/; der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL), www.tinnitus-liga.de; Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie Tinnitus. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/064 (Stand: Februar 2010); Patienteninformation des Tinnituszentrums der Charité Berlin www.charite.de/hno/tinnitus/pdf/patienteninfo.pdf

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