Schwimmen lernen in jedem Alter

Beim Rückenschwimmen kann der Nacken entspannen. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)
Beim Rückenschwimmen kann der Nacken entspannen. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)

Bewegung im Wasser ist gesund für Herz, Kreislauf, Rücken und Gelenke

(dbp/mhk) Etwa jeder vierte Erwachsene kann nicht oder nur schlecht schwimmen, ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Die Gründe sind vielfältig: Angst, Scham, ein körperliches Leiden oder schlicht, weil in der Kindheit versäumt wurde, es zu erlernen. Unter Anleitung von erfahrenen Schwimmlehrern kann man das nachholen, denn fürs Schwimmenlernen ist es nie zu spät.

Thomas Wallat, DLRG-Ausbildungsleiter aus Marburg, gibt Anfängerkurse für Erwachsene. „Grundsätzlich ähneln die Kurse Kinderschwimmkursen. Auch hier kommen Schwimmhilfen zum Einsatz.“ Der einzige Unterschied: Kinder sind generell unvoreingenommener, weniger ängstlich, mutiger und (er)kennen die Gefahren noch nicht.

Hemmschwelle überwinden

Das Wichtigste sei bei Erwachsenen daher die Gewöhnung an das neue Element. „Wer als Kind zum Beispiel mal ins Eis eingebrochen ist, hat nun mal Probleme mit Wasser, das ist reine Kopfsache“, weiß der erfahrene Schwimmlehrer. Diese Hemmschwelle müsse zunächst überwunden werden. Das erfordere bei Erwachsenen oft mehr Zeit und Geduld „und immer ein bisschen Psychologie“. „Solange der Körper aus Angst verkrampft, können auch einfache Schwimmtechniken schlecht ausgeführt werden“. Locker zu bleiben sei enorm wichtig und gäbe – nach und nach – einfach Sicherheit.

„Ältere Menschen haben häufiger Probleme am Bewegungsapparat, Rückenschmerzen oder Gelenkverschleiß an Knien oder Hüften. Schwimmen ist gelenkschonend“, erklärt Wallat. Für Übergewichtige sind Bewegungen im Wasser angenehmer. Durch die Aktivität der Beine beim Schwimmen wird der Transport von Blut zum Herz unterstützt, so dass Schwimmen auch Erkrankungen von Venen vorbeugen kann. Mit regelmäßigem Training lassen sich durch Schwimmen zudem Kalorien und Fett verbrennen.

Brustschwimmen kann dem Rücken schaden

Je nach Alter oder Gesundheitszustand ist auch die richtige Technik ausschlaggebend für den Erfolg. Der von den meisten Menschen praktizierte Schwimmstil ist das Brustschwimmen. „Leicht zu erlernen und der Kopf bleibt in der Regel über Wasser. Manche Schwimmer aber verkrampfen dabei den Nacken derart, dass die Entspannung ausbleibt, das kann dem Rücken sogar schaden. Entlastender für den Kopf, Nacken sowie für den Rücken, somit sportlich gesünder, ist das Rückenschwimmen“, sagt der Experte. Das Gesicht bleibt entspannter über Wasser, die Atemwege sind weitestgehend frei. „Das funktioniert auch ohne Armbewegungen über Kopf, eben seitwärts“, so Wallat.

Wer schneller vorankommen und dadurch Herz und Kreislauf fit halten wolle, für den sei Kraulen am besten. „Dabei allerdings ist das Gesicht länger unter Wasser, zum Einatmen muss der Kopf zur Seite gedreht werden. Gefragt sind zudem Kraft und Ausdauer sowie gute rhythmische und koordinative Fähigkeiten.“ Erst wenn man Brust und Freistil beherrsche, könne der Delfinstil erlernt werden, bei dem der ganze Körper eine Wellenbewegung vollzieht.

In vielen Städten gibt es Vereine, die gezielt Schwimmkurse für Erwachsene anbieten, für Anfänger oder auch für diejenigen, die im Alter noch einen neuen Schwimmstil erlernen oder Schritt für Schritt besser werden möchten. Zusammen mit anderen Erwachsenen fällt das Lernen leichter. Kleine Gruppen sind immer von Vorteil. Manche Schwimmschulen bieten spezielle Kurse für Menschen an, die unter Aquaphobie (Angst vor Wasser) leiden.