Schwaches Herz: Schonung ist der falsche Weg

Patienten mit Herzschwäche sollten sich regelmäßig bewegen. (Foto: Bilderbox)
Patienten mit Herzschwäche sollten sich regelmäßig bewegen. (Foto: Bilderbox)

Warum regelmäßige Bewegung für Patienten mit Herzinsuffizienz so wichtig ist

(dbp/spo) Atemnot beim Treppensteigen, schnelles Ermüden schon bei kleiner Anstrengung – Patienten mit chronischer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) kennen das nur zu gut. Der gesunde Menschenverstand möchte Betroffenen, die keuchend im Treppenhaus stehen, sagen: Ruh dich aus, schone dich! Doch aus medizinischer Sicht ist das grundfalsch.

Schonung und Bettruhe waren jahrzehntelang der Rat der Ärzte, wenn es um die Therapie der chronischen Herzschwäche ging. Inzwischen ist das anders: Mehrere wissenschaftliche Studien haben belegt, dass ein individuell angepasstes Bewegungsprogramm und Ausdauertraining Herzpatienten belastbarer und leistungsfähiger machen kann.

Der Grund: Das körperliche Training senkt auf Dauer den Ruhepuls, also die Zahl der Pulsschläge im ausgeruhten Zustand. So kann das geschwächte Herz energiesparender arbeiten, wie Dr. Marcus Sandri und Dr. Stephan Gielen vom Herzzentrum der Leipziger Uniklinik mitteilen. Dort wurden einige der genannten Studien zum Thema durchgeführt. Außerdem fördere das Training die Bildung von Stammzellen, die dabei helfen, geschädigte Blutgefäße zu reparieren und es verbessere die Regulierungsfunktion der Blutgefäße. Nicht zuletzt wirkt es dem stetigen Muskelabbau entgegen, der Herzschwäche-Patienten droht, die sich zu viel schonen. Und je weniger Muskeln, desto schwerer fallen Alltagstätigkeiten wie das Treppensteigen oder Einkäufe tragen.

Überlastung vermeiden

Alles gute Argumente für mehr Bewegung, doch schränken die beiden Ärzte ein: Nicht jeder Herzpatient sollte gleich Hals über Kopf ins Fitnessstudio stürmen. Schließlich ist die Herzinsuffizienz eine ernst zu nehmende Erkrankung; ein schwaches Herz sollte zwar be-, aber keinesfalls überlastet werden.

Grundsätzlich sei die Bewegungstherapie nur Patienten zu empfehlen, die eine stabile, also eine medikamentös gut eingestellte Herzschwäche der Stadien I bis III haben. Eine Herzschwäche wird nach der New York Heart Association (NYHA) in vier klinische Stadien eingeteilt: Während die Patienten in Stadium I beschwerdefrei und normal belastbar sind, tauchen bei NYHA-IV-Patienten schon im Ruhezustand Symptome wie Luftnot auf. Ein Stadium-IV-Patient sollte zunächst mit körperlicher Schonung und Medikamenten stabilisiert werden, bevor er sich belastet. Ist sein Zustand dann mindestens vier Wochen stabil, kann mit einem leichten Trainingsprogramm unter ärztlicher Aufsicht begonnen werden.

Belastungstest beim Kardiologen

Für alle Herzschwäche-Patienten gilt: Wer Sport treiben will, sollte sich vorher beim Kardiologen durchchecken lassen. Dieser kann per Belastungstest die körperliche Leistungsfähigkeit und den Maximalpuls feststellen. Und danach muss sich das spätere Trainingsprogramm richten. Ideal ist es, wenn Herzpatienten ihr Programm in einer Klinik mithilfe von geschulten Sporttherapeuten und unter ärztlicher Kontrolle beginnen und langsam steigern. Später sind Herzsportgruppen eine gute Anlaufstelle.

Die gewohnte Bewegung im Alltag, das Treppensteigen und Spazierengehen, kann und sollte jedoch unabhängig von der Überlegung, ein Sportprogramm zu beginnen, weitergeführt und wenn möglich ausgebaut werden.