Schuhe nach Maß und auf Rezept

Bei der Farbgestaltung sind auch ärztlich verordneten Maßschuhen keine Grenzen gesetzt. (Foto: tomozina1 / Fotolia)
Bei der Farbgestaltung sind auch ärztlich verordneten Maßschuhen keine Grenzen gesetzt. (Foto: tomozina1 / Fotolia)

Von der Verordnung zum individuell angefertigten Schuhwerk – so entsteht die Maßarbeit

(dbp/nas) Eine angeborene Missbildung, eine Unfallverletzung, ein diabetischer Fuß – die Gründe, warum jemand einen orthopädischen Maßschuh verordnet bekommt, sind ganz unterschiedlich. „Der medizinische Zweck ist entweder, den Fuß zu halten und zu betten oder eine Korrektur“, erklärt Daniel Bürkner, Mitglied im Vorstand des Zentralverbandes Orthopädieschuhtechnik.

Bis aus dem, was auf der Verordnung steht, ein individuelles Paar Schuhe wird, ist jede Menge Maßarbeit nötig – buchstäblich. „Wenn ein Kunde mit einer Verordnung zu uns kommt, dann schauen wir uns seine Füße erst einmal ganz genau an und vermessen sie“, sagt Orthopädieschuhmachermeister Daniel Bürkner. Mithilfe von Gips, einer Blaupause oder eines Fußscans erstellt der Experte einen Abdruck. Außerdem werden „händische Untersuchungen“ und Fotos von den Füßen gemacht und natürlich ist auch das Gespräch mit dem Kunden von Bedeutung.

Erst Maß nehmen, dann die Leisten herstellen

Welche Probleme hat der Kunde, wo sind Schmerzpunkte und wofür braucht er seine neuen Schuhe? „Es ist wichtig, den ganzen Menschen zu betrachten“, so der Maßschuhmachermeister. Er begutachtet auch den Gang aus den Knien, der Hüfte und der Wirbelsäule heraus. „Wichtig ist ja, dass wir den Menschen in Bewegung halten beziehungsweise wieder in Bewegung bringen“, erläutert der Experte. Die Schuhe müssen den natürlichen Bewegungsablauf unterstützen. Danach bekommt die Krankenkasse einen Kostenvoranschlag und wenn der genehmigt ist, beginnt die Fertigung der Schuhe.

Zunächst erstellt der Orthopädieschuhmacher einen Leisten – entweder, indem der Gips-Abdruck mit Hartschaum ausgegossen wird oder mit Hilfe eines Leisten-Rohlings aus Holz. Bevor der Schuh dann tatsächlich „gebaut“ wird, kommt der Kunde noch einmal zur Anprobe eines Modells aus Klarsichtfolie. „Daran sehen wir, ob die Maße gut umgesetzt sind, die Bettung und die Polsterung an den richtigen Stellen sitzen“, erklärt Daniel Bürkner.

Optik und Material sind variabel

Dann wird mit dem Kunden besprochen, wie genau die Schuhe schlussendlich aussehen sollen. Ob es ein Halbschuh oder ein Stiefel wird, das bestimmt bereits die ärztliche Verordnung – je nachdem, wie viel Korrektur und Stütze bei der jeweiligen Diagnose nötig ist. Aber Material, Farben und Nähte können individuell mit dem Orthopädieschuhmacher abgesprochen werden. Der Kunde kann auch ein Bild oder ein Modell mitbringen, an dem man sich dann orientiert, sagt Bürkner. Die Akzeptanz der Schuhe sei ganz wichtig – und die habe sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Ist der Schuh dann fertig, wird der Kunde zum Probelaufen eingeladen.

Zuzahlung: Eigen- und Gebrauchsanteil

Was die Finanzierung angeht, ist ein Eigenanteil von zehn Euro pro Verordnung und der Gebrauchsanteil (40 Euro bei Hausschuhen und 76 Euro bei Straßenschuhen) zu leisten – unabhängig davon, wie teuer der Schuh jeweils insgesamt wird. Bei ganz speziellen Wünschen und besonderem Aufwand können weitere Kosten entstehen. Wenn alles optimal läuft, die Krankenkasse schnell ihr Okay gibt und keine Verzögerungen auftreten, ist das neue Schuhwerk in etwa drei Wochen von der Abgabe der Verordnung bis zur Abholung fertig. Je nach Kasse und Werkstatt kann es aber auch länger dauern.

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