Schützen und stützen

Bandagen kommen z. B. bei kleineren Verletzungen zum Einsatz. Sie sind sehr flexibel  gestaltet und ermöglichen ihren Trägern dadurch viel Bewegungsfreiheit. (Foto: sergojpg / Fotolia)
Bandagen kommen z. B. bei kleineren Verletzungen zum Einsatz. Sie sind sehr flexibel gestaltet und ermöglichen ihren Trägern dadurch viel Bewegungsfreiheit. (Foto: sergojpg / Fotolia)

Moderne Bandagen und Orthesen wirken am ganzen Körper.

(dbp/wgt) Von den Fingern bis zu den Zehen, es gibt wohl keine Gelenkpartie, an der sie nicht zur Anwendung kommen. Bandagen und Orthesen schützen und unterstützen den Halte- und Bewegungsapparat bei Überlastungen, Erkrankungen und nach Verletzungen. Im deutschen Gesundheitswesen zählen sie zu den medizinischen Hilfsmitteln. Sie werden vom Arzt verordnet und erfüllen eine Vielzahl von Funktionen. Dazu gehören in erster Linie die neuromuskuläre Gelenkstabilisierung, die Reduktion von Schmerzen, Ödemen und Ergüssen und die Förderung der Regeneration von Bindegewebe und Bändern.

Unentbehrlich bei der konservativen Behandlung

Aus der konservativen Orthopädie sind moderne Bandagen und Orthesen längst nicht mehr wegzudenken. Das Kieler Institut für Gesundheits-System-Forschung (IGSF) schätzt die Zahl der jährlichen Verordnungen auf rund sechs Millionen, vor allem zur Behandlung im ambulanten Bereich. Und neun von zehn Patienten sind mit ihrer Wirksamkeit zufrieden. Das ergab eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Jahr 2014. Zwei Drittel der Träger von Bandagen und Orthesen, die zuvor regelmäßig Schmerzmittel einnehmen mussten, konnten darauf ganz oder teilweise verzichten. Vielen Patienten blieb überdies der Gang zum Chirurgen erspart.

Mit Druck und Halt zum Erfolg

Bandagen bestehen in der Regel aus einer Kombination von Textilien und elastischen Einsätzen, auch Pelotten genannt, die als Druckpolster dienen. Dagegen weisen Orthesen neben elastischen Materialien auch stabilisierende Stützelemente aus Metallen und Kunststoffen auf. Sie formen eine Art äußeres Skelett, das in der Lage ist, mechanische Kräfte aufzunehmen und auf den Bewegungsapparat zu übertragen.

Bandagen dagegen sind deutlich flexibler gestaltet, sodass sie sich den jeweiligen Körperstellen optimal anpassen und mehr Handlungsfreiheit gewähren. Entscheidend für ihre Wirkungsweise ist der Druck, den sie auf das darunter liegende Gewebe ausüben. Dadurch werden Gelenke, Blut- und Lymphgefäße sowie das Nervensystem positiv beeinflusst.

Gezielte Ruhigstellung und Mobilisierung

Sollen einzelne Körperregionen nach Brüchen oder anderen Verletzungen ruhig gestellt werden, kommen spezielle Orthesen zur Immobilisierung zum Einsatz, die einen Gipsverband ersetzen können. Sie lassen sich je nach Bedarf aber auch so einstellen, dass sie nur die gewünschten Gelenkbewegungen zulassen, belastende jedoch ausschließen.

Doch werden Orthesen nicht nur eingesetzt, um erkrankte Körperregionen ruhig zu stellen und kontrolliert wieder zu mobilisieren, sondern auch, um die Körperhaltung und Bewegungsabläufe zu korrigieren. So spielen Orthesen etwa bei der Behandlung von Skoliosen bei Kindern und Jugendlichen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, spätere Operationen zu vermeiden. Das geht aus einer Studie hervor, über die das Deutsche Ärzteblatt berichtete.

Besonders bei Sportlern finden Bandagen und Orthesen nicht nur nach Verletzungen und operativen Eingriffen Anwendung, sondern häufig auch, um Verletzungen der stark beanspruchten Knie- und Sprunggelenke vorzubeugen, wie der Orthopäde Professor Heinz Lohrer erläutert.

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Quellenangaben:
Deutsches Ärzteblatt (2013): Skoliose: Studie bestätigt Nutzen von Orthesen. Online: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55911 Eurocom (2014): Orthesen: Vielseitige Hilfsmittel für den ganzen Körper. Online: http://www.eurocom-info.de/fileadmin/freigabe/user_upload/ Dokumente_eurocom/pdf_Dokumente_eurocom/Publikationen/Handbuch_Orthesen_Webversion.pdf; Institut für Gesundheits-System-Forschung (2014): Sichtung, Sammlung und Auswertung der verfügbaren Belege zur Wirksamkeit von Bandagen und Orthesen am Knie. Online: http://www.eurocom-info.de/fileadmin/freigabe/user_upload/Dokumente_eurocom/pdf_Dokumente_eurocom/IGSF_Kiel_Analyse_Bandagen_und_Orthesen.pdf Institut für Demoskopie Allensbach (2014): Mehr Lebensqualität, weniger Schmerzen. Nutzung und Wirksamkeit orthopädischer Hilfsmittel. Online: http://www.eurocom-info.de/fileadmin/freigabe/user_upload/Dokumente_eurocom/pdf_Dokumente_eurocom/eurocom_Studie.pdf Lohrer, Heinz (2010): Orthesen und Bandagen. In: Dickhuth, Hans-Hermann/Mayer, Frank/Röcker, Kai/Berg, Aloys (Hg.): Sportmedizin für Ärzte. Lehrbuch auf der Grundlage des Weiterbildungssystems der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). 2., überarb. Auflage. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag, S. 283-286.