Schonende Operation des „Grünen Stars“

Schonende Operation des „Grünen Stars“

Die Kanaloplastik macht traditionellen Methoden der Glaukom-Chirurgie Konkurrenz

(dbp/wgt) Zu den Volkskrankheiten der Deutschen zählt das Glaukom, vielen besser bekannt als „Grüner Star“. Rund 800.000 Menschen leiden laut Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) an der fortschreitenden Schädigung des Sehnervs, die unbehandelt zur Erblindung führen kann.

Genau genommen handelt es sich beim Glaukom um eine Gruppe von Erkrankungen. Dabei gelangt das Augenkammerwasser meist nicht in ausreichendem Maße durch das Maschenwerk des Auges in den natürlichen Abflusskanal und kann deshalb nicht abfließen. Dadurch kommt es häufig zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks, der zum Schwund des Sehnervs führen kann.

Wird das Glaukom frühzeitig erkannt, lässt es sich in den meisten Fällen mit Augentropfen behandeln. Sie dienen dazu, den Augeninnendruck zu senken. Zeigt die medikamentöse Behandlung keine Erfolge, wird der behandelnde Augenarzt zu einem operativen Eingriff raten. „Bei rund 10 bis 15 Prozent der Patienten ist das der Fall“, erläutert Dr. Karl Thomas Boden, Leitender Oberarzt an der Augenklinik des Knappschaftskrankenhauses Saar in Sulzbach.

Künstlicher Abfluss mit hohem Vernarbungsrisiko

Dank moderner Operationstechniken in der Glaukom-Chirurgie können inzwischen viele Patienten vor einer Erblindung bewahrt werden. Zumeist wird dabei ein künstlicher Abfluss für das Augenwasser geschaffen. Als Standardverfahren gilt heute die Trabekulektomie. Bei dieser Methode öffnet der Chirurg die Lederhaut des Auges und präpariert ein Loch in die Vorderkammer. Durch diese Öffnung wird das Kammerwasser unter die Bindehaut in ein sogenanntes Sickerkissen abgeleitet und versickert dann über die Lymphwege des Gewebes. „So kann schnell eine Verringerung des Augeninnendrucks erreicht werden“, betont Dr. Boden. Aber: „Das Vernarbungsrisiko ist hoch.“ Kommt es zu einer Vernarbung des Sickerkissens, ist der Wasserabfluss nicht mehr gewährleistet, der Augeninnendruck nimmt wieder zu und ein weiterer Eingriff wird erforderlich.

Kanaloplastik mit minimal-invasiven Methoden

Inzwischen erhält die Trabekulektomie Konkurrenz durch die Kanaloplastik. Sie verdankt sich den Fortschritten in der minimal-invasiven Chirurgie und gilt laut Boden als besonders schonendes Operationsverfahren mit einer höheren Erfolgsquote und einem kürzeren Heilungsverlauf. Im Unterschied zur Trabekulektomie wird dabei kein künstlicher Abfluss für das Augenwasser gelegt. Stattdessen führt der Chirurg einen Mikrokatheder in den natürlichen Abflusskanal des Auges ein und erweitert den Kanal mit einem Gel. „Anschließend wird im Kanal ein dünner Faden gespannt, der dafür sorgt, dass die Drainage offen bleibt und das Kammerwasser des Auges abfließen kann“, so Dr. Boden.

Inzwischen wenden Boden und seine Kollegen die Kanaloplastik bei acht von zehn Glaukom-Operationen an. Wenn der Augeninnendruck einen Wert von 40 bis 45 mmHg überschreitet, kommt allerdings auch die neue Methode an ihre Grenzen. Dann stehen andere Operationstechniken zur Verfügung, mit denen sich eine höhere Druckabsenkung erzielen lässt.

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Dietlein, Thomas S./Hermann, Manuel M./Jordan, Jens F. (2009): The Medical and Surgical Treatment of Glaucoma. In: Deutsches Ärzteblatt International. 106. Jg., H. 37, S. 597-606, www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2770226/; Gerste, Ronald D. (2014): Glaukomchirurgie: Die Trabekulektomie bleibt vorerst Methode der Wahl. In: Deutsches Ärzteblatt. 111. Jg., H. 3, S. 25, www.aerzteblatt.de/archiv/152919/Glaukomchirurgie-Die-Trabekulektomie-bleibt-vorerst-Methode-der-Wahl?s=kanaloplastik; Thederan, Luisa/Grehn, Franz/Klink, Thomas(2014): Kanaloplastik und Trabekulektomie im Vergleich. In: Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde. 231. Jg., H. 3, S. 256-261, https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0033-1360392; Körber, Norbert (2007): Kanaloplastik – Neue Aspekte der nicht-perforierenden Glaukomchirurgie. In: Der Augenspiegel. H. 9, S. 46-50, www.shg-glaukom-berlin.de/Texte/Kanaloplastik1.pdf; Gespräch mit Dr. Karl Thomas Boden, Leitender Oberarzt an der Augenklinik des Knappschaftskrankenhauses Saar GmbH in Sulzbach, geführt am 17.02.2015

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