Schmerzmedikation im Alter

Reglosigkeit und sozialer Rückzug können bei Demenzpatienten auch ein Zeichen dafür sein, dass sie unter Schmerzen leiden. (Foto: Fotolia / highwaystarz)
Reglosigkeit und sozialer Rückzug können bei Demenzpatienten auch ein Zeichen dafür sein, dass sie unter Schmerzen leiden. (Foto: Fotolia / highwaystarz)

Erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen.

(dbp/spo/fru) Im Alter wird man für gewöhnlich gebrechlicher – die Zipperlein mehren sich und auch Schmerzen gehören für viele zum Alltag. Denn mit den Krankheiten kommen zwangsläufig auch die Schmerzen und bleiben teilweise als ständiger Begleiter. Viele ältere Menschen ergeben sich diesem vermeintlichen Schicksal. Doch Schmerztherapeuten sehen das als überflüssig an: Auch im Alter können Patienten eine adäquate Schmerzbehandlung erhalten und dadurch ihre Lebensqualität deutlich verbessern.

Schmerzen nicht klaglos hinnehmen

Senioren, die unter akuten Schmerzen leiden, sollten zum Arzt gehen und die Schmerzen nicht klaglos hinnehmen. Denn wird der Schmerz nicht behandelt, besteht die Gefahr, dass er chronisch wird und damit immer schwieriger zu bändigen ist. Die Therapie chronischer Schmerzen sollte aus einem individuell auf den Patienten zugeschnittenen Mix geeigneter Therapien bestehen. Bei älteren Patienten müssen darüber hinaus veränderte körperliche Voraussetzungen beachtet werden. So nimmt zum Beispiel im Alter die Muskelmasse ab, das Gewebe verliert an Elastizität, Schmerz- und Nervenreizverarbeitung ändern sich.

„Fast die Hälfte aller älteren Menschen leidet unter Schmerzen. Doch nicht immer werden sie auch adäquat behandelt“, beklagt die Deutsche Seniorenliga. Das habe eine Vielzahl von Ursachen, die größtenteils damit zu tun haben, dass die Besonderheiten des Alters bei der Diagnostik und Therapie nur unzureichend berücksichtigt würden. Der behandelnde Arzt müsse vor allem berücksichtigen, dass eine Schmerztherapie bei Senioren viel langsamer Wirkung zeige als bei jungen Menschen. Würden junge Menschen bei passender Therapie oft schon innerhalb von sechs Tagen spüren, wie sich ihr Schmerz auf ein passables Niveau reduziert, dauere es bei 60- bis 80-Jährigen oft bis zu 18 Tage, bei über 80-Jährigen sogar rund vier Wochen.

Vorerkrankungen beachten

Darüber hinaus haben ältere Menschen oft Vorerkrankungen und nehmen regelmäßig Medikamente ein, etwa gegen Bluthochdruck, Diabetes, Gefäßerkrankungen oder Osteoporose – ein Faktor, der insbesondere beim Verschreiben neuer Medikamente beachtet werden muss. Die Wirkstoffe werden von Senioren anders aufgenommen und langsamer abgebaut als von jungen Menschen. „Immer öfter treten unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen ein. Im ungünstigsten Fall sind die Konsequenzen dramatisch: Nebenwirkungen von Medikamenten sind in Deutschland mittlerweile die fünfthäufigste Todesursache“, heißt es auf den Internetseiten der Deutschen Seniorenliga. Welche Medikamente für ältere Menschen als besonders riskant eingestuft werden, ist auf der sogenannten Priscus-Liste aufgeführt.

Eine Patientengruppe, die in puncto Schmerz besonders schwer zu behandeln ist, ist die der Demenzpatienten, denn sie können ihre Schmerzen häufig nicht spezifizieren und mitteilen. Unter Schmerz werden sie zudem verwirrter, können sich nur noch schlecht konzentrieren und nehmen ihre Umwelt kaum noch wahr. Dennoch gibt es äußerliche Hinweise, wenn Demenzpatienten unter Schmerzen leiden: z. B. Reglosigkeit oder starke Unruhe entgegen der sonstigen Gewohnheit, plötzliche Aggressivität oder sozialer Rückzug, Stöhnen, Grimassen ziehen, leises Weinen oder heftiges Klagen. Angehörige und Pflegepersonal sollten daher auf diese Zeichen achten.