Schlaganfälle kennen keine Altersgrenze

Die Diagnose Schlaganfall wird immer häufiger bei jüngeren Patienten gestellt. (Foto: Marco2811 / Fotolia)
Die Diagnose Schlaganfall wird immer häufiger bei jüngeren Patienten gestellt. (Foto: Marco2811 / Fotolia)

Zunehmend sind auch junge Menschen betroffen – Diagnose bei Kindern oft schwierig

(dbp/wgt) Schlaganfälle machen auch vor Jüngeren nicht halt. Immer häufiger sind bereits Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren betroffen. Ihr Anteil ist zwischen 1990 und 2010 von 25 auf 31 Prozent gestiegen. Selbst Kinder bleiben nicht verschont. Weltweit tritt mittlerweile jeder 20. Schlaganfall bei Kindern und Jugendlichen auf, wie aus der Global-Burden-of-Disease-Studie hervorgeht. In den USA sind nach Angaben der American Heart Association bereits bis zu zehn Prozent aller Schlaganfallpatienten Kinder und junge Erwachsene.

Allein in Deutschland wird jedes Jahr bei rund 300 Kindern ein Schlaganfall diagnostiziert. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Dunkelziffer noch deutlich höher liegt. Denn die Diagnose ist umso schwieriger, je jünger die Patienten sind. Immerhin sind in knapp einem Drittel der Fälle laut Deutscher Schlaganfall Hilfe bereits Neugeborene betroffen.

Schlaganfälle bei Kindern sind oft genetisch bedingt

Zwar werden Schlaganfälle bei Kindern ähnlich wie bei Erwachsenen aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn hervorgerufen. Die Ursachen unterscheiden sich jedoch deutlich. Im Erwachsenenalter gelten zu hohe Cholesterinwerte, Diabetes, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Übergewicht und eine ungesunde Ernährung als typische Risikofaktoren. Im Kindesalter dagegen sind Schlaganfälle häufig genetisch bedingt.

Auf genetische Veränderungen gehen Störungen der Blutgerinnung zurück, die zu einem erhöhten Thromboserisiko führen. Ebenso Erkrankungen des Bindegewebes, die mit Verstopfungen der Blutgefäße einhergehen oder zu brüchigen Gefäßwänden und der damit verbunden Gefahr einer Hirnblutung führen. Oft haben angeborene Herzfehler ebenfalls genetische Ursachen. Dabei steigt das Risiko, dass sich Blutgerinnsel bilden und ins Gehirn wandern. Aber auch genetisch bedingte Stoffwechselstörungen können bereits bei Kindern und Jugendlichen zu einer Arteriosklerose und in der Folge zum Schlaganfall führen.

Auch Infektionen und die Pille bergen Risiken

Weitere Risikofaktor sind typische Infektionen im Kindes- und Jugendalter, wie etwa Windpocken. Die Einnahme der Pille birgt für Mädchen in der Pubertät eine zusätzliche Schlaganfallgefahr. Aber auch junge Migränepatienten haben ein erhöhtes Risiko. Immer häufiger lassen sich außerdem schon bei jungen Patienten die Folgen eines ungesunden Lebensstils beobachten. So leidet in den USA von den 15- bis 34-jährigen Schlaganfallpatienten jeder dritte bereits an arteriellem Bluthochdruck.

Bemerkbar macht sich ein Schlaganfall bei Neugeborenen in der Regel durch Krampfanfälle und Atemstörungen. Bei größeren Kindern ähneln die Symptome denen bei Erwachsen. Plötzlich auftretende Bewegungsstörungen, Lähmungen oder Zuckungen in einer Körperhälfte sind erste Hinweise. Starke Kopfschmerzen, Schwierigkeiten beim Sprechen, Schluckbeschwerden und Sehprobleme gelten als weitere Anzeichen. Aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Entwicklung des Gehirns treten die Folgen eines Schlaganfalls bei Kindern allerdings mitunter erst nach Monaten auf. Das führt zu oft verspäteten Diagnosen.

Gute Heilungschancen bei Kindern

Im Vergleich zu Erwachsenen bestehen bei Kindern jedoch sehr gute Heilungschancen. Die aufgetretenen Problemen bilden sich in den meisten Fällen wieder gut zurück. Dennoch lassen sich Langzeitfolgen nicht vollständig ausschließen. Dazu zählen Angstzustände, aggressives Verhalten sowie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass mögliche Symptome, die auf einen Schlaganfall hindeuten, frühzeitig erkannt werden.