Schilddrüsenunterfunktion ist gut therapierbar

Jodiertes Speisesalz trägt zur Vorbeugung von Schilddrüsenerkrankungen bei. (Foto: mapoli-photo / Fotolia)
Jodiertes Speisesalz trägt zur Vorbeugung von Schilddrüsenerkrankungen bei. (Foto: mapoli-photo / Fotolia)

Problem: Beschwerden werden häufig fehlgedeutet

(dbp/ihs) Patienten, die unter einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, fühlen sich häufig müde, erschöpft, depressiv, haben Gewebeschwellungen, Darmverstopfung, Gedächtnisstörungen oder verzeichnen eine unerklärliche Gewichtszunahme. Alles Symptome, die auch für die Wechseljahre zutreffen. Deshalb riskieren ältere Frauen mit Schilddrüsenunterfunktion, falsch behandelt zu werden.

Wegen der ausgeprägten psychischen Symptome (Apathie und Antriebslosigkeit) wird häufig auch eine psychische Ursache vermutet. Die Patienten selbst deuten ihre Beschwerden oft als natürliche Alterserscheinungen. „Deshalb“, rät Melanie Callies, Internistin und Endokrinologin in der Hormon- und Rheumapraxis Hannover, „sollten diese unspezifischen Beschwerden von einem Internisten oder Endokrinologen abgeklärt werden.“

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion wird der Körper nicht ausreichend mit Schilddrüsenhormonen versorgt. In der Folge erlahmen verschiedene Stoffwechselprozesse. Ein typisches Merkmal sei darüber hinaus eine plötzliche Gewichtszunahme, obwohl nicht mehr gegessen werde.

Abklärung im Labor

Mit einer Blutabnahme kann schnell geklärt werden, ob der TSH-Wert, der die Schilddrüsenhormone steuert, im Normbereich liegt. „Bei erhöhtem TSH-Wert und erniedrigten Schilddrüsenhormonen“, sagt Melanie Callies, „liegt eine Unterfunktion, bei zu niedrigem TSH und erhöhten Schilddrüsenwerten eine Überfunktion der Schilddrüse vor.“ Eine Schilddrüsenunterfunktion lasse sich gut mit Medikamenten therapieren, bei älteren Menschen werde in der Regel mit einer geringeren Dosis begonnen, die dann langsam gesteigert werde. Zu Beginn der Behandlung kontrolliere der Arzt den Hormonspiegel alle vier Wochen. Wenn der Patient optimal eingestellt sei, reiche eine jährliche Überprüfung des Hormonspiegels. Bei einer gut eingestellten Medikamentendosis seien diese Menschen genauso leistungsfähig wie andere. Grundsätzlich sollte bei jedem Gesundheitscheck auch die Schilddrüse kontrolliert werden.

Verschiedene Ursachen

Die häufigste Ursache für eine Unterfunktion ist eine chronische Schilddrüsenentzündung, bei der Antikörper gegen die hormonproduzierenden Zellen der Schilddrüse gebildet werden. Es kommt zur Zerstörung des Schilddrüsengewebes und langfristig zur Schilddrüsenunterfunktion. Eine Unterfunktion kann auch durch eine Operation oder Radiojodtherapie ausgelöst werden oder auch angeboren sein. „Eine Unterfunktion“, sagt Melanie Callies, „kann sehr gut durch Tabletten ausgeglichen werden.“ Um eine Schilddrüsenunterfunktion gar nicht erst entstehen zu lassen, rät Melanie Callies zu einer optimalen Jodzufuhr. Dazu gehöre eine gesunde Lebensführung ohne Nikotin, einmal pro Woche frischen Fisch (Scholle, Kabeljau) sowie jodiertes Speisesalz, mit dem die Mahlzeiten gewürzt werden. Denn ein Mangel an Schilddrüsenhormonen könne zu Arteriosklerose und Herzmuskelschwäche führen.