Schau mir in die Augen, Optiker!

Gesichtsfeld, Augenmuskulatur, Farbensehen – ein Augenoptiker kann das Sehvermögen auf viele Faktoren hin testen. (Foto: Viktor Cap/Fotolia)
Gesichtsfeld, Augenmuskulatur, Farbensehen – ein Augenoptiker kann das Sehvermögen auf viele Faktoren hin testen. (Foto: Viktor Cap/Fotolia)

Im Fachgeschäft kann mehr als nur die Sehschärfe getestet werden.

(dbp/spo) Wer feststellt, dass seine Sehschärfe nachlässt, geht oft nicht zum Augenarzt, sondern direkt zum Optiker, um sich eine Brille oder Kontaktlinsen anfertigen zu lassen. Auch dort kann die Funktion der Augen über die Sehschärfe hinaus untersucht werden.

„Fast 75 Prozent der Augenmessungen für Brillen oder Kontaktlinsen werden nur noch von uns durchgeführt“, sagt der Vizepräsident des Zentralverbands der Augenoptiker, Christian Müller. „Das ist eine große Verantwortung in unseren Händen. Die meisten gehen nämlich davon aus, dass sie gesunde Augen haben, wenn wir nichts sagen.“ Deshalb reicht die alleinige Messung der Sehstärke in Müllers Augen nicht aus, wenn Kunden das erste Mal mit Sehproblemen zum Optiker kommen. „Es sei denn, sie waren vorher beim Augenarzt.“

Vor jede Sehschärfemessung gehört für den Mühlheimer Augenoptiker eine allgemeine Anamnese, also das Fragen nach der Vorgeschichte. Liegt eine Augenerkrankung vor? Werden Medikamente eingenommen, die eventuell die Sehkraft beeinflussen? Das sind Fragen, die es Müller zufolge zu klären gibt. Wichtig ist dann auch der Test der Augenbeweglichkeit. Mithilfe eines Stiftes, den er vor den Augen des Kunden hin und her bewegt, kann der Optiker beobachten, ob die Augenmuskulatur beeinträchtigt ist – so, wie es zum Beispiel nach einem Schlaganfall vorkommen kann.

Untersuchung von Gesichtsfeld und Netzhaut

Auf Wunsch können bei den meisten Optikern auch der Augeninnendruck und das Gesichtsfeld gemessen werden – gibt es hier Veränderungen, kann das auf ein Glaukom (Grüner Star) beziehungsweise auf eine Netzhauterkrankung hinweisen. Möglich ist beim Optiker zudem die Spiegelung des Augenhintergrunds, um etwa die Netzhaut genauer zu untersuchen. Diagnosen darf der Augenoptiker allerdings nicht stellen. Gibt es bei den Tests Auffälligkeiten, empfiehlt er den Gang zum Augenarzt.

Weiterhin kann der Optiker das Farbensehen prüfen – und zwar ganz einfach mit den berühmten bunt gesprenkelten Farbtafeln, auf denen Zahlen erkannt werden müssen (Ishihara-Farbtafeln). Die häufigste Farbsehschwäche, die Rot-Grün-Blindheit, ist ein angeborener Netzhautfehler und nicht mit Sehhilfen korrigierbar, sagt Christian Müller. Allerdings ist es für bestimmte Berufsgruppen, die viel mit Farben zu tun haben, wichtig zu wissen, ob das Farbensehen in Ordnung ist.

Hilfe bei Blendempfindlichkeit

Aufwendiger und deshalb nur bei wenigen Optikern im Repertoire sind Untersuchungen des Dämmerungssehens und der Blendempfindlichkeit. Ursache für beides kann zum Beispiel eine beginnende Linsentrübung durch den Grauen Star (Katarakt) sein. Oder eben auch eine Sehschwäche, die nicht richtig korrigiert ist. „Wer sich sagt: Eigentlich sind meine Augen o.k., aber ich fühle mich nachts schnell geblendet, sollte vielleicht doch mal zum Optiker gehen“, rät Christian Müller.

Sehtests und Sehberatung werden nicht von den Krankenkassen bezahlt. Weil jeder Optiker seine Preise frei gestalten darf, gibt es hier eine große Spanne. Die reine Sehschärfemessung bieten viele gratis an, beziehungsweise verrechnen die Kosten beim Kauf einer Brille.