Rollende Menüs oft zu gehaltvoll

Eine Stichprobe in Berlin hat ermittelt: Essen auf Rädern ist immer lecker, aber oft zu salzhaltig. (Foto: Hildebrandt / Fotolia)
Eine Stichprobe in Berlin hat ermittelt: Essen auf Rädern ist immer lecker, aber oft zu salzhaltig. (Foto: Hildebrandt / Fotolia)

„Essen auf Rädern“ erleichtert älteren Menschen das Leben, könnte aber gesünder sein.

(dbp/wgt) Viele Senioren sind froh über das Angebot von Dienstleistern, die ihnen täglich eine warme Mahlzeit liefern. Aber wie sieht es mit der Qualität des „Essens auf Rädern“ aus? Halten die Speisen den Empfehlungen von Ernährungswissenschaftlern Stand?

Eine gesunde und vollwertige Kost spielt auch im Alter eine wichtige Rolle. Doch in der zweiten Lebenshälfte läuft der Stoffwechsel langsamer und der Energiebedarf nimmt ab. Dagegen bleibt die Menge der Nährstoffe, die der ältere Mensch benötigt, gleich. Für die Zubereitung der täglichen Mahlzeiten heißt das: beim Fett sparen, aber nicht bei Kohlenhydraten, Eiweiß, Vitaminen, Ballast- und Mineralstoffen.

Zu viel Fett, zu viel Salz

Das sollte sich inzwischen auch zu den Anbietern von Essen auf Rädern herumgesprochen haben, die es vielen Senioren ermöglichen, bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Den Ernährungsbedürfnissen ihrer älteren Kunden werden jedoch einige Lieferdienste nicht gerecht. Die angebotenen Mahlzeiten enthalten oft zu viel Fett, Kalorien und Salz. Das ergaben Untersuchungen der Stiftung Warentest. Ihre jüngste Stichprobe machte sie im Jahr 2011 bei sechs Berliner Lieferdiensten.

So steckte in einigen Mittagsmenüs bereits die von Ernährungswissenschaftlern empfohlene maximale Tagesdosis von sechs Gramm Salz. Weniger Salz könne helfen das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko zu senken, betont die Stiftung Warentest und weist darauf hin, dass bis zu 80 Prozent der über 70-Jährigen Bluthochdruck haben.

Große Unterschiede bei den Anbietern

Die Versorgung mit Nährstoffen wie Kalzium, Magnesium und Folsäure wies dagegen ebenso wie die enthaltenen Ballaststoffe von Anbieter zu Anbieter deutliche Unterschiede auf. Im Hinblick auf eine ausgewogene Ernährung erreichte schließlich nur einer von sechs getesteten Anbietern die Note „gut“. Nur beim Testsieger stand außerdem täglich auch ein vegetarisches Menü zur Auswahl. Geschmacklich waren alle Menüs in Ordnung, auch wurden keine krank machenden Keime gefunden.

Bei ihrer Beurteilung orientierten sich die Experten der Stiftung Warentest an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die hat gemeinsam mit dem Bundesernährungsministerium „Qualitätsstandards für Essen auf Rädern“ formuliert, die Herstellern und Verteilern Anregungen für eine vollwertige Ernährung älterer Menschen bieten. Die Informationen reichen von der Lebensmittelauswahl über die Gestaltung des wöchentlichen Speiseplans bis hin zur Zubereitung der Mahlzeiten, Qualifizierung des Personals und zur Essensauslieferung. Fänden diese Qualitätsstandards künftig auch noch Anwendung in den Großküchen, dann dürfte der nächste Test deutlich besser ausfallen.

Tipps für die Auswahl eines Lieferdienstes hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erstellt. Sie empfiehlt, sich als Entscheidungshilfe zunächst ein (im Idealfall kostenloses) Probeessen zu bestellen und die Speisepläne mehrerer Anbieter zu vergleichen. Die „Checkliste Essen auf Rädern“ steht im Internet unter www.vz-nrw.de/essenaufraedern zur Verfügung.