Richtig sprechen ist leichter gesagt als getan

Wer das Potenzial seiner Stimme nutzt, kann mit seiner Rede mehr erreichen. (Foto: lightpoet / Fotolia)
Wer das Potenzial seiner Stimme nutzt, kann mit seiner Rede mehr erreichen. (Foto: lightpoet / Fotolia)

Logopäden, Sprachtherapeuten und Stimmlehrer stärken die stimmliche Ausdruckskraft.

(dbp/auh) Die Bedeutung der Stimme ist heute wichtiger denn je – in Beruf, Wirtschaft, Schule und im täglichen Zusammenleben. „Ein Drittel aller Menschen in den Industrienationen arbeitet in Sprechberufen, in 60 Prozent aller Berufe haben kommunikative Fähigkeiten und Anforderungen eine hohe Bedeutung“, so das europäische Netzwerk der Stimmexperten „stimme.at“.

Der Initiator des Netzwerks, Stimmtrainer Arno Fischbacher, beschreibt in seinem Buch „Geheimer Verführer Stimme“ die Macht der Stimme:  „Als wäre sie ein Seismograf der Seele, macht die Stimme jede kleinste Regung des Menschen hörbar. Gefühle färben den Klang der Stimme ebenso rasch heller oder dunkler wie Gedanken. Das Besondere dabei ist, dass alles hörbar ist, ob wir wollen oder nicht. Oft sind es nur Nuancen, die weder dem Sprecher noch dem Zuhörer bewusst werden. Aber unbewusst werden diese Signale sehr wohl aufgenommen und entfalten machtvoll ihre Wirkung in der Kommunikation.“

Bedeutung der Stimme

Laut Fischbacher ist die Stimme zu fast 40 Prozent für den Eindruck verantwortlich, den Menschen im persönlichen Kontakt voneinander bekommen. Wer als Schauspieler, Sänger, Radiomoderator, Synchron- oder Hörbuchsprecher arbeitet, weiß in der Regel um die große Bedeutung der Stimme. Atem-, Stimm- und Sprechtraining ist für die meisten Vertreter dieser Berufe selbstverständlich. Wer in anderen Berufen häufig vor einer größeren Zuhörerschaft sprechen muss, denkt hingegen meist nur an den Inhalt seiner Rede.

„Ob die Botschaft des Redners ankommt, hängt aber auch von der Art und Weise des Vortrags ab, also unter anderem von seiner Stimme, und nicht nur vom Inhalt“, erklärt Katrin Meyer, Logopädin aus Hameln und Mitglied im Deutschen Bundesverband für Logopädie (dbl). Wenn Menschen Wichtiges zu sagen haben, sollten sie dafür sorgen, dass das Gesagte die Zuhörer auch erreicht. Vieles bleibe auf der Strecke, wenn der Redner beispielsweise zu schnell oder zu leise spricht.

Eigene Stimme kennenlernen

Deshalb sollten auch Pfarrer, Lehrer, Professoren und Führungskräfte in Wirtschaft und Verwaltung sowie Vertreter die Chancen eines Stimmcoachings wahrnehmen, rät die Logopädin. Ein professionelles Stimmcoaching beginnt stets damit, dass der Klient seine Stimme gut kennenlernt. Danach kann an der Stimme „gearbeitet“ und das individuelle Potenzial erkannt und ausgeschöpft werden. Die meisten sind überrascht, wenn sie sich zum ersten Mal so hören, wie sie für andere klingen.

Zahlreiche verschiedene Faktoren tragen zur Ausprägung der Stimme bei und sind mitentscheidend, ob und wie das Gesagte beim Zuhörer ankommt. Dazu gehören Stimmlage und Lautstärke, Atemtechnik, Muskelspannung und Körperhaltung, aber auch die Wortwahl, die Art der Pausensetzung und vieles mehr. Schon die Art, wie jemand steht oder sitzt, wirkt sich auf die Wirkung der Stimme aus. Wer einen festen Stand hat, spricht auch mit einer sicheren und kräftigen Stimme.

In einem Stimmtraining können auch ungeübte Redner lernen, wie sie sich buchstäblich mehr Gehör verschaffen, wie sie Interesse erregen und die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer bekommen.

Autor:

Ähnliche Beiträge

Weiterführende Links

Beitrags-ID:
4949494
Kategorie(n):
Quellenangaben:
Informationen von Katrin Meyer, Logopädin in Hameln, Gespräch geführt am 18.08.2015; Presseinformationen des europäischen Netzwerks „stimme.at“ zum Weltstimmtag, www.stimme.at; Rufus-Beck-Zitat aus: Lars-Olav Beier: „Gold in der Kehle“, in: Der Spiegel vom 18.06.2007, zit. n.: www.spiegel.de/spiegel/print/d-51955615.html; Arno Fischbacher: Geheimer Verführer Stimme, Junfermann Verlag 2008; abgerufen im August 2015

Eine Kommentar schreiben

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht! Erforderliche Felder sind mit einem * gekennzeichnet.

Sie können folgende HTML Tags und Attribute verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>