Rhythmen und Klänge fürs Wohlbefinden

Musik kann helfen, einen Zugang zu Patienten mit psychischen Störungen zu finden. (Foto: Yanik Chauvin / Fotolia)
Musik kann helfen, einen Zugang zu Patienten mit psychischen Störungen zu finden. (Foto: Yanik Chauvin / Fotolia)

Die Musiktherapie kommt bei körperlichen und psychischen Erkrankungen zum Einsatz

(dbp/wgt) Schon in der Antike wusste man um die Wirkung der Musik für das innere Gleichgewicht. Platon sah die Tonkunst in geheimer Beziehung zur menschlichen Seele und maß ihr die Fähigkeit bei, zwischen Vernunft und Leidenschaften zu vermitteln. Inzwischen nimmt die Musik einen festen Platz ein bei der Behandlung körperlicher und seelischer Leiden. Die Musiktherapie hat sich als eigenständige Heilmethode mit enger Beziehung zu Psychotherapie, Pädagogik und Medizin etabliert.

Musik öffnet neue Wege der Kommunikation

Rhythmen, Klänge und Melodien werden in der musiktherapeutischen Praxis zu Mitteln der Kommunikation zwischen Patient und Therapeut. Denn Stimmungen und Gefühle, Ängste und Probleme finden ihren Ausdruck in der Sprache der Musik oft leichter als in Worten. Menschen mit schweren geistigen Beeinträchtigungen oder Autismus eröffnet die Musik Wege der Kommunikation, die ihnen im Medium der Sprache verschlossen bleiben.

Patienten mit psychischen Problemen finden in der Musik neue Möglichkeiten, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen und sich dann im therapeutischen Gespräch über die Ursachen ihrer Leiden bewusst zu werden. In der Suchttherapie, bei der Behandlung von Schmerzen, in der Rehabilitation nach Unfällen und Operationen und bei neurologischen Erkrankungen arbeiten Musiktherapeuten eng mit Ärzten aus den unterschiedlichen Fachgebieten zusammen. Und in der alternden Gesellschaft erlangt der Einsatz von Musik zunehmende Bedeutung auch bei der Betreuung und Behandlung älterer und dementer Menschen.

Zuhören oder selber musizieren

Bei ihrer täglichen Arbeit nutzen erfahrene Therapeuten die Tatsache, dass Töne und Melodien ihre Wirkung beim Zuhören ebenso entfalten wie beim aktiven Musizieren. So stehen bei der rezeptiven Musiktherapie das bewusste Hören von Musik und die dabei ausgelösten Gefühle im Mittelpunkt der Behandlung. In der aktiven Therapie dagegen ist der Patient aufgefordert, einfachen Instrumenten selbst Töne zu entlocken. Das reicht vom freien Improvisieren auf Trommeln, Klanghölzern oder Xylophon bis zur Wiedergabe eingeübter Stücke. Gerade das Improvisieren ist oftmals der erste Weg, um mit dem Patienten in Kontakt zu kommen.

Da sie inzwischen in allen Bereichen der Psychiatrie tätig sind, kommen Musiktherapeuten nicht ohne „fundierte Kenntnisse psychotherapeutischer Methoden und Praktiken“ aus, wie der Hamburger Musikpsychologe Professor Herbert Bruhn betont. In der Praxis orientiert sich die Musiktherapie deshalb an einem breiten Spektrum von Methoden, das von verhaltenstheoretischen über tiefenpsychologische und humanistisch-existenzielle bis hin zu gestalttherapeutischen Ansätzen reicht.

Unabhängig von ihrer Ausrichtung gehört die Musiktherapie in Deutschland bislang jedoch nicht zu den Regelleistungen der Krankenkassen.

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