Rezepte werden am liebsten vor Ort eingelöst

Nach einem aktuellen Urteil können ausländische Versandapotheken zukünftig die in Deutschland geltende Arzneimittelpreisverordnung für rezeptpflichtige Medikamente umgehen. (Foto: Dietmar Gust / ABDA)
Nach einem aktuellen Urteil können ausländische Versandapotheken zukünftig die in Deutschland geltende Arzneimittelpreisverordnung für rezeptpflichtige Medikamente umgehen. (Foto: Dietmar Gust / ABDA)

(dbp/fru) Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat Zahlen zu den Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für das Jahr 2015 veröffentlicht.

Demnach lag der Umsatzanteil von Versandapotheken an den Gesamtausgaben für verschreibungspflichtige Arzneimittel bei lediglich 1,2 Prozent. „Fast jeder Patient löst sein Rezept in einer Apotheke ein, in deren Umfeld er sich im Alltag bewegt“, sagt Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Nach dem Arztbesuch bevorzugen 99 von 100 Patienten diesen Weg, um ihre rezeptpflichtigen Medikamente direkt zur Verfügung zu haben.

In 2016 haben bereits mehr als 150 Apotheken geschlossen

„Von den chronisch kranken Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen, haben sogar 88 Prozent eine Stammapotheke, wo sie sich offenbar gut beraten und aufgehoben fühlen. Wer nah an den Menschen ist, leistet eben auch seinen Beitrag zum funktionierenden Sozialwesen vor Ort“, sagt Schmidt. Dennoch ist die Zahl der Apotheken in Deutschland weiter gesunken. Nach den ersten drei Quartalen im Jahr 2016 gibt es nur noch 20.093 Apotheken – das sind 156 weniger als zum Jahresende 2015 (20.249). Im Jahr 2017 wird die Apothekenzahl voraussichtlich unter 20.000 sinken.

Diesen Schwund weiter verschärfen könnte auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg. Dieser hatte kürzlich entschieden, dass ausländische Versandapotheken die in Deutschland geltende Arzneimittelpreisverordnung für rezeptpflichtige Medikamente umgehen und Patienten mit Boni locken dürfen. „Der Verdrängungswettbewerb ist für kleine und ländliche Apotheken schon heute sehr hart. Ebenso wie ihre Patienten müssen sie sich darauf verlassen können, dass Rezepte überall zu den gleichen Bedingungen eingelöst werden können. Ein destruktiver Preiswettbewerb durch Versandapotheken würde schnell ihre Existenz bedrohen. Wenn der Trend zu Schließungen zunimmt, wird das absehbar für die wohnortnahe Versorgung ein Problem“, warnt Schmidt.