Rettung für ausgeschlagene Kinderzähne

Sportvereine mit Kinder- und Jugendabteilungen sollten Zahnrettungsboxen parat haben. (Foto: Bilderbox)
Sportvereine mit Kinder- und Jugendabteilungen sollten Zahnrettungsboxen parat haben. (Foto: Bilderbox)

Bei unfallbedingtem Verlust werden bleibende Zähne wieder „eingepflanzt“

(dbp/mhk) Zahnverletzungen im Kindesalter sind sehr häufig. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) erleben 50 Prozent aller Kinder vor dem 15. Lebensjahr ein sogenanntes Zahntrauma. Studien zufolge hat bereits jedes dritte Kind bis zum fünften Lebensjahr ein Milchzahntrauma erlitten, meist zwischen dem 18. und 40. Lebensmonat.

„Im Milchgebiss kommt es vorwiegend zu Lockerungen der Schneidezähne“, erläutert Dr. Gabriel Krastl, Leiter des Zahnunfallzentrums am Universitätszahnklinikum in Basel. Frakturen der Zahnkronen seien weniger häufig. „Manchmal kommt es auch zu Veränderungen der Zahnstellung“, so der Oberarzt. Wenn verschobene Milchschneidezähne erhalten werden sollen, werden sie vorsichtig wieder gerade gestellt, gegebenenfalls geschient. Milchzähne, die in den Kieferknochen hineingestoßen wurden, können nach mehreren Wochen sogar von alleine wieder durchbrechen. Nachkontrollen sind erforderlich, um Komplikationen zu vermeiden.

Ein Milchzahn weg? Kein Drama!

Bei größeren Kronen-Wurzel-Frakturen, die bis unter das Zahnfleisch reichen, muss der Zahn meist entfernt werden. Vollständig herausgeschlagene Milchschneidezähne werden im Unterschied zu bleibenden Zähnen nicht wieder eingepflanzt. „Dies sollte wegen des Risikos einer Schädigung der Keime der bleibenden Zähne unterbleiben“, so der Experte. Der Verlust eines Milchzahnes sei nicht dramatisch und habe keine gravierenden Folgen für die Gebissentwicklung.

Bleibende Zähne sollten hingegen möglichst wieder eingepflanzt werden. Bei diesen sind die Zahnwurzeln oftmals noch nicht vollständig gebildet. „Am häufigsten sind – oft im Alter von neun Jahren – bei den Bleibenden aber Verletzungen der Zahnkronen“, weiß Krastl, „hier muss die Bruchfläche und gegebenenfalls der freiliegende Zahnnerv umgehend versorgt werden. Damit kann in vielen Fällen eine Wurzelkanalbehandlung mit Entfernung des Zahnnervs vermieden werden.“ Mitgebrachte Zahnstücke können wieder angeklebt werden. „Bei Veränderungen der Zahnstellung oder Bruch der Wurzel sollten die betroffenen Zähne möglichst umgehend gerichtet, je nach Verletzung für etwa vier Wochen geschient werde“, erklärt der Zahnarzt.

Ideales Transportklima in der Zahnrettungsbox – oder in H-Milch

Wenn also beim Unfall ein bleibender Zahn verloren geht, ist Eile geboten. Entscheidend für den Erfolg ist die korrekte Aufbewahrung. Hierfür gibt es – in Apotheken erhältliche – Zahnrettungsboxen mit spezieller Nährflüssigkeit, die in Schule, Sportverein und Hausapotheke immer vorhanden sein sollten. Darin kann der Zahn bis zu 24 Stunden gelagert werden. Wer keine Zahnrettungsbox hat, kann den Zahn auch in kalte H-Milch legen oder in eine Kochsalzlösung – aber nicht in pures Wasser. „Notfalls kann der ausgeschlagene Zahn in einer Plastikfolie – allerdings nur kurzfristig – feucht gehalten werden, bis eine bessere Lösung gefunden wird“, empfiehlt der Fachmann.

Übrigens: Bei äußeren Schürfwunden, Schleimhautverletzungen und bei der Wiedereinpflanzung herausgeschlagener Zähne sollte der Tetanus-Impfschutz überprüft und gegebenenfalls aufgefrischt werden.

Eine Kommentar schreiben

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht! Erforderliche Felder sind mit einem * gekennzeichnet.

Sie können folgende HTML Tags und Attribute verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>