Reine Männersache

PSA-Test – ja oder nein? Keine leichte Entscheidung. (Foto: Zai Aragon / Fotolia)
PSA-Test – ja oder nein? Keine leichte Entscheidung. (Foto: Zai Aragon / Fotolia)

IGeL-Check: Der PSA-Test in der Prostatakrebs-Früherkennung hat Vor- und Nachteile

Individuelle Gesundheits-Leistungen (IGeL) sind ärztliche Leistungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Das können beispielsweise Diagnostikverfahren sein, Reiseimpfungen oder kosmetische Behandlungen. Nur auf Wunsch und mit schriftlicher Zustimmung des gesetzlich Versicherten darf der Arzt eine IGeL erbringen und muss diese nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abrechnen. Die GOÄ sieht einen Gebührenrahmen mit Mindest- und Höchstsätzen vor, je nach Aufwand der Leistung.

(dbp/auh) Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter an. Ab 45 Jahre haben gesetzlich versicherte Männer Anspruch auf eine jährliche Früherkennungsuntersuchung. Dazu gehört das Abtasten der Genitalien, der Lymphknoten in der Leiste sowie der Prostata vom After aus (digital-rektale Untersuchung, DRU).

Eine zusätzliche Möglichkeit der Früherkennung, die aber nicht von den gesetzlichen Kassen bezahlt wird, ist ein Bluttest, der den Serumspiegel des prostataspezifischen Antigens (PSA) ermittelt. Ab einer bestimmten Menge PSA besteht ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs. Allerdings kann ein erhöhter PSA-Wert genauso gut andere Ursachen haben, zum Beispiel eine gutartige Vergrößerung der Prostata, eine Entzündung oder auch bestimmte Sportarten wie Reiten und Fahrradfahren.

Bei Krebs ist der PSA-Test Kassenleistung

Bei konkretem Krebsverdacht und zur Verlaufskontrolle bei vorhandenem Tumor gehört der PSA-Test zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Als reine Früherkennungsuntersuchung ist er eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die mit etwa 45 Euro in Rechnung gestellt wird.

Wer sich für diese IGeL entscheidet, sollte wissen, dass ein einmaliger Test kaum aussagekräftig ist. Und selbst ein dauerhaft erhöhter PSA-Wert ist kein eindeutiger Hinweis auf eine Krebserkrankung. Daher wird in der Regel bei einem entsprechenden Befund (zum Beispiel ein durch Wiederholung bestätigter Wert ab 4 ng/ml) eine Gewebeprobe entnommen, um den Verdacht abzuklären. Werden bei dieser Prostatabiopsie keine Krebszellen gefunden, bleiben die PSA-Werte aber auffällig, kann es ratsam sein, auch die Biopsie zu wiederholen.

Risiko Überbehandlung

Die PSA-gestützte Früherkennung kann also dazu führen, dass gesunde Männer mit einem Krebsverdacht leben, der letztlich nie ganz ausgeräumt wird. Außerdem werden dadurch Tumore entdeckt und in der Folge auch behandelt, die unentdeckt zeitlebens keine Beschwerden verursacht hätten. Denn Prostatakrebs wächst in der Regel sehr langsam.

Es gibt auch schnell wachsende, aggressive Tumore, die unbehandelt metastasieren, also andere Organe schädigen. Werden solche Karzinome in einem frühen Stadium erkannt, indem sie noch nicht tastbar sind, kann eine PSA-gestützte Früherkennung Leben retten.

Folgt man der aktuellen ärztlichen Leitlinie zu dem Thema (S3-Leitlinie Prostatakarzinom), so hängt die Beantwortung der Frage „PSA-Test: ja oder nein?“ untrennbar mit der grundsätzlichen Entscheidung für oder gegen die Nutzung der Krebsfrüherkennung ab. Denn nach Ansicht der beteiligten Fachgesellschaften, federführend die Deutsche Gesellschaft für Urologie, ist die Tastuntersuchung allein nicht ausreichend.

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S3-Leitlinie "Prostatakarzinom: Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien" der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Stand: 30.09.2011 (in Überarbeitung), gültig bis 30.09.2016; Patientenleitlinie Prostatakarzinom: Früherkennung, www.leitlinienprogramm-onkologie.de; Online-Informationen des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS), www.igel-monitor.de; Online-Informationen des Krebsinformationsdienstes (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/psa-test-frueherkennung.php; alle Informationen abgerufen im Januar 2014