Rehabilitation für hörgeschädigte Menschen

Audiotherapeuten können z. B. den Umgang mit technischen Hilfen wie Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten maßgeblich erleichtern. (Foto: Fotolia / Monika Wisniewska)
Audiotherapeuten können z. B. den Umgang mit technischen Hilfen wie Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten maßgeblich erleichtern. (Foto: Fotolia / Monika Wisniewska)

Die Audiotherapie ergänzt Medizin und Hörgeräteakustik.

(dbp/fru) Erwachsene Menschen mit einer Hörschädigung können sich einer umfassenden und ganzheitlichen Rehabilitation bedienen. Damit können sie sich zu einem differenzierten Hören und Verstehen und somit zu einer verbesserten Kommunikation verhelfen. Die so genannte Audiotherapie ergänzt und verzahnt laut Deutschem Schwerhörigenbund (DSB) die Versorgung hörgeschädigter Menschen durch Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Hörgeräteakustiker, Bildungs- und Rehabilitationsträger, Beratungsstellen, Integrationsämter und Reha-Kliniken. Sie nutzt damit ein fachübergreifendes Wissen aus den Bereichen HNO-Heilkunde, Audiologie, Psychologie, Pädagogik, Sozialrecht, Phonetik und angewandten Methoden der Kommunikation.

Eine zentrale Aufgabe ist das Hörtraining

Hörgeschädigte Menschen sind oft auf Hörsysteme angewiesen. Diese liefern i.d.R. deutlich veränderte Höreindrücke. Ein gezieltes Hörtraining kann helfen, diese Eindrücke richtig einzuordnen und zu verarbeiten. Dadurch wird die Eingewöhnungsphase erleichtert und es wird ein differenziertes Hören und Verstehen ermöglicht. Die Audiotherapie trägt aktiv zur Vermeidung von so genannten „Schubladenhörgeräten“ bei, wird auf den Internetseiten des Deutschen Schwerhörigenbunds erklärt. Das heißt, sie verhindert den Kauf von Hörgeräten, die nicht benutzt werden und dann in einer Schublade verschwinden. Daher ist das Hörtraining eine zentrale Aufgabe der Audiotherapie. Es soll dabei helfen, Schallereignisse durch Übungen zu identifizieren und die Spracherkennung zu verbessern.

Konkret kann die Audiotherapie bei Krankheitsbildern wie Schwerhörigkeit, Tinnitus, Ertaubung, Geräuschüberempfindlichkeit, Schwindel oder der AVWS (Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung) eingesetzt werden, heißt es vom Bund deutschsprachiger Audiotherapeutinnen und Audiotherapeuten (BdAt). Im BdAt haben sich Audiotherapeutinnen und Audiotherapeuten zusammengeschlossen, die eine Fortbildung nach definierten Qualitätsstandards abgeschlossen haben.

Kein geschützter Begriff oder Berufsbezeichnung

Audiotherapeuten arbeiten als Angestellte etwa in stationären Reha-Einrichtungen, in Beratungsstellen, bei HNO-Ärzten und bei Hörgeräteakustikern. Sie können auch freiberuflich tätig sein. Die Audiotherapie ist an sich kein geschützter Begriff oder eine geschützte Berufsbezeichnung. Damit fehlt den Audiotherapeuten auch eine Anerkennung als Heilmittelerbringer, was eine Kostenübernahme für ambulante Maßnahmen durch die gesetzlichen Krankenkassen erleichtern würde.

Dabei können Audiotherapeuten maßgeblich den Umgang mit technischen Hilfen wie Hörgeräten oder Cochleaimplantaten erleichtern. Zudem wird auch die soziale Kompetenz von betroffenen Patienten und somit deren sozialer Status gefestigt, was mehr Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht. Audiotherapie unterstützt also Hörgeschädigte im Umgang mit ihrer Behinderung und beim Erwerb von aktiven Bewältigungsstrategien und trägt dazu bei, Folgekosten einer Hörschädigung zu verhindern. Zudem erhalten die Patienten auch Information über sozialrechtliche Bestimmungen, damit sie ihre Rechte besser in Anspruch nehmen können.