Reha kann Pflegebedürftigkeit vermeiden

Ältere Menschen haben bei einem Sturz ein erhöhtes Risiko für einen Knochenbruch. (Foto: rudybaby / Fotolia)
Ältere Menschen haben bei einem Sturz ein erhöhtes Risiko für einen Knochenbruch. (Foto: rudybaby / Fotolia)

Nach dem Sturz ins Pflegeheim? Das muss nicht sein, sagen Experten für Geriatrie

(dbp/auh) Im höheren Alter kann es ganz schnell gehen: Aus einer fitten Rentnerin wird nach einem unglücklichen Sturz im Haushalt oder auf dem Gehweg ein Pflegefall. Ein Drittel aller Menschen über 65 Jahren stürzt mindestens einmal im Jahr, fast die Hälfte davon mehrmals. Dabei verletzen sich 400.000 ältere Menschen ernsthaft, 270.000 erleiden durch den Sturz bleibende Schäden, für 160.000 Menschen bedeutet der Sturz das Ende der Selbstständigkeit.

Diese Zahlen nennt die Landesarbeitsgemeinschaft Wohnberatung NRW, die sich dafür einsetzt, das Sturzrisiko im Alter zu minimieren. Denn oft seien es schon kleine Veränderungen in der Wohnung oder vor dem Haus, die Unfälle verhüten können: ein zweiter Handlauf an der Treppe zur Haustür oder die Verbannung der alten Teppichläufer aus dem Wohnzimmer.

Unfallvermeidung und Sturzprophylaxe sind natürlich nicht nur im Alter wichtig. Aber bei älteren Menschen führen Stürze viel häufiger zu bleibenden Beschwerden und ernsthaften Einschränkungen der Mobilität. Ihre Knochen brechen leichter und die Fähigkeit, sich nach einem Krankenhausaufenthalt wieder aufzurappeln, nimmt ab.

Albtraum Oberschenkelhalsbruch

Der sogenannte Oberschenkelhalsbruch, also eine Fraktur dicht am Hüftgelenk, ist eine häufige Folge von Stürzen im Alter. Nach Angaben des St.-Josef-Krankenhauses in Viernheim bedeutet ein hüftgelenksnaher Knochenbruch für etwa 30 Prozent der älteren Patienten den Beginn oder die Steigerung der Pflegebedürftigkeit.

„Für viele Patienten, die nicht in der Geriatrie und damit nicht mit besonderer Rücksichtnahme auf ihr hohes Alter behandelt werden, beginnt daher mit einem Krankenhausaufenthalt häufig ein Abwärtstrend. Diese Patienten kehren nicht mehr nach Hause zurück, sondern von der Klinik in ein Pflegeheim.“ So beschreibt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) das gefürchtete Szenario.

Grundsatz: „Reha vor Pflege

Damit aus einem kleinen Unfall kein Pflegefall wird, setzen die Experten auf die geriatrische Rehabilitation, also eine spezielle Anschluss-Heilbehandlung für Ältere direkt nach der Akutbehandlung im Krankenhaus. „Reha vor Pflege“ lautet der Grundsatz, der in der Sozialgesetzgebung verankert ist.

Gerade sehr alte Patienten profitieren nach Ansicht der DGG besonders von der geriatrischen Rehabilitation. „Der Patient wird durch die Reha wieder fit für den Alltag gemacht“, so der ehemalige DGG- Präsident Professor Ralf-Joachim Schulz. „Selbstständigkeit ist oberste Priorität – von Anfang an. Übungen in und am Bett helfen zum Beispiel, Muskelmasse zu erhalten, die sonst später sehr mühsam wieder aufgebaut werden muss.“ Pflegebedürftigkeit vermeiden, das sei das oberste Ziel.

Die geriatrische Rehabilitation kann stationär, teilstationär oder ambulant erfolgen. Ein Schwerpunkt der geriatrischen Rehabilitation liegt auf dem Einsatz mobiler Reha-Teams. Wer bereits pflegebedürftig ist, kann auch zum Beispiel in stationären Pflegeeinrichtungen Rehabilitationsleistungen erhalten.