Radon als Heilmittel

Bad Brambach in Sachsen bietet seit mehr als hundert Jahren Kuren mit seinem Radonheilwasser an. (Foto: Gerhard Köhler / Fotolia)
Bad Brambach in Sachsen bietet seit mehr als hundert Jahren Kuren mit seinem Radonheilwasser an. (Foto: Gerhard Köhler / Fotolia)

Das radioaktive Edelgas wirkt in niedriger Dosierung gegen Schmerzen und Entzündungen

(dbp/auh) Radon ist ein natürlich vorkommendes, radioaktives Edelgas. Wegen seiner schmerzstillenden und entzündungshemmenden Wirkung wird es weltweit als Heilmittel eingesetzt. Die lang anhaltende Linderung von Beschwerden, auch Monate nach der Radonbehandlung, ist in klinischen Langzeitstudien nachgewiesen worden, zum Beispiel jüngst in der „Internationalen randomisierten multizentrische Radon-Studie“ (IMuRa).

Die genauen Wirkmechanismen der Radontherapie sind jedoch bis heute noch nicht vollständig erforscht. „Im Prinzip handelt es sich um eine äußerst niedrig dosierte Strahlentherapie, die körpereigene Reparaturmechanismen anregt und Schmerzbotenstoffe hemmt“, erklärte Dr. Ina Furch, medizinische Leiterin der IMuRa-Studie, niedergelassene Orthopädin und Badeärztin in Bad Schlema.

Kurorte mit Radonquellen und -stollen

Der staatlich anerkannte Kurort im Erzgebirge ist eines der wenigen deutschen Heilbäder mit einer Radonquelle. Dazu gehören unter anderem auch Bad Brambach (ebenfalls in Sachsen), Bad Steben, Weißenstadt und Sibyllenbad (alle in Bayern) und Menzenschwand in Baden-Württemberg. Im rheinland-pfälzischen Kurort Bad Kreuznach befindet sich der einzige Radonstollen in Deutschland.

Radon kann auf drei Wegen zu therapeutischem Zweck in den Organismus gebracht werden: über die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts durch Trinken von radonhaltigem Heilwasser, über die Lunge nach Einatmen von radonhaltiger Luft und über die Haut beim Baden in radonhaltigem Wasser.

Linderung bei Rheuma, Schuppenflechte und Asthma

Im Laufe der etwa hundertjährigen dokumentierten Erfahrung mit der Radontherapie haben sich einige Krankheitsbilder herauskristallisiert, bei denen sich die Radonkur als spezifisch wirksam erwiesen hat. Das sind in erster Linie rheumatische Erkrankungen, insbesondere Morbus Bechterew, aber auch chronische Polyarthritis, Arthrose, bestimmte Formen des Weichteilrheumatismus und Fibromyalgie. In jüngster Zeit wird auch bei Patienten mit fortgeschrittener Osteoporose die schmerzlindernde Wirkung der Radontherapie genutzt. An zweiter Stelle werden Erkrankungen der Atemwege, zum Beispiel Asthma, chronische Bronchitis und COPD genannt. Die dritte Gruppe von Indikationen wird von Hautkrankheiten wie Schuppenflechte (Psoriasis) und Sklerodermie, aber auch schlecht heilende Wunden (Ulcus cruris) gebildet. An vierter Stelle stehen gynäkologische Erkrankungen wie chronische Unterbauchschmerzen (Pelvipethia spastica) und Beschwerden in den Wechseljahren.

Nach Angaben des Vereins Euradon, der Interessengemeinschaft europäischer Radonheilbäder, kann eine Radontherapie zwar keine dieser Krankheiten heilen, aber wesentlich zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Risiken und Kontraindikationen

Bedenken wegen der radioaktiven Strahlung versuchen Experten seit Jahren auszuräumen. Ganz gleich, ob staatliche Stellen wie das sächsische Umweltministerium, Physiker wie der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Professor Alexander Kaul oder Ärzte wie Professor Michael Berliner, Rheumatologe und Facharzt für Physikalische Medizin – alle sagen übereinstimmend, dass von der Radontherapie keine Strahlenschäden zu erwarten sind. Dennoch: Schwangere Frauen und Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) dürfen nicht mit Radon behandelt werden. Zurückhaltung wird auch bei Kindern empfohlen (relative Kontraindikation).

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Quellenangaben:
Informationen vom Bayerischen Staatsbad Bad Steben, www.bad-steben.de/kur-gesundheit/heilmittel/fragen-zur-radontherapie.html; Informationen vom Sibyllenbad in der Oberpfalz: www.sibyllenbad.de/Portaldata/1/Resources/03_gesundheit_und_kur/Sibyllenbad_Medizin_201009.pdf; Professor Alexander Kaul, Präsident i. R. des Bundesamtes für Strahlenschutz: „Ist eine Radon-Therapie im Heilstollen oder im Wannenbad der Gesundheit des Patienten abträglich?“, zit. n.: www.euradon.de/euradon-ger/ext_html/Patienteninfo.pdf; Informationen von EURADON - Verein Europäische Radonheilbäder e. V., www.euradon.de; Professor Ernst Feldtkeller: Rezension des Buches „Radon als Heilmittel - Therapeutische Wirksamkeit, biologischer Wirkmechanismus und vergleichende Risikobewertung“, hrsg. vom Radon-Dokumentations- und Informationszentrum (RADIZ) in Bad Schlema, Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2005, zit. n.: www.bechterew.de/inhalt/service-und-literatur/literatur-angebote/radon-als-heilmittel/; IMuRA-Studie: Nachhaltige Schmerzlinderung durch Radon-Therapie, in: www.rheuma-online.de; Internationale multizentrische randomisierte klinische Radon-Studie, in: http://aerzte-exklusiv.at/index.php?id=184&tx_ttnews[tt_news]=2831&cHash=27df79c1d158d8ffab45ceef9634eb13; Radon als Heilmittel. Indikationen und wissenschaftliche Bewertung, (Autoren siehe Rezension von Ernst Feldtkeller), zit. n.: http://euradon.de/euradon-ger/ext_html/vorabdruck2.htm; die IMuRa-Studie hier: Franke A, Franke T (2013) : Long-term benefits of radon spa therapy in rheumatic diseases: results of the randomised, multi-centre IMuRa trial.. In: Rheumatol Int, 33(11), 2839-2850; alle Informationen abgerufen im März 2015