Radiotherapie verringert Risiko für Lymphödeme

Bei vielen Brustkrebspatientinnen werden die Lymphknoten in der Achsel entfernt, um ein Ausbreiten der Krebszellen zu stoppen. (Foto: ArTo / Fotolia)
Bei vielen Brustkrebspatientinnen werden die Lymphknoten in der Achsel entfernt, um ein Ausbreiten der Krebszellen zu stoppen. (Foto: ArTo / Fotolia)

Bestrahlung kann bei Brustkrebs im Frühstadium Alternative zur Lymphknotenentfernung sein

(dbp/auh) Vielen Brustkrebspatientinnen könnte zukünftig eine belastende Spätfolge der Krebstherapie, das Lymphödem, erspart werden. Zu diesem Ergebnis kommt die sogenannte AMAROS-Studie, die nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) die Behandlung des Brustkrebses verändern wird.

AMAROS steht für „After Mapping of the Axilla: Radiotherapy or Surgery?“, also die Frage, ob eine Strahlentherapie bei einem positiven Lymphknotenbefund die Operation der Achselhöhle ersetzen kann. Zur Erklärung: Bei Brustkrebs wird stets untersucht, inwieweit auch die Lymphknoten von Tumorzellen befallen sind. Dazu wird zunächst der Wächterlymphknoten (der dem Tumor am nächsten gelegene Lymphknoten) ermittelt, entfernt und auf Krebszellen untersucht. Wird ein Befall festgestellt, so folgt in der Regel das sogenannte „Ausräumen der Axilla“, also das operative Entfernen der Lymphknoten in der Achsel.

Lymphödem ist eine chronische Krankheit

Dadurch entsteht nach Angaben des Bundesverbandes „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ ein sofortiger Rückstau der Lymphflüssigkeit in die Arme. „Normalerweise verschwinden diese Symptome nach einigen Wochen oder Monaten wieder. Gelingt es dem Körper jedoch nicht, neue Abflusswege aufzubauen, kommt es zu einer unerwünschten Ansammlung von Gewebeflüssigkeit – es entsteht ein Armlymphödem.“ Schmerzhafte Schwellungen, Sensibilitätsstörungen und Bewegungseinschränkungen sind die Symptome dieser Krankheit, die fortan lebenslang behandelt werden muss.

In der erwähnten Studie wurden über einen Zeitraum von neun Jahren fast 5.000 Frauen aus neun europäischen Ländern untersucht. Die Teilnehmerinnen hatten Brustkrebs in einem frühen Stadium, ihr Tumor war kleiner als drei Zentimeter und die Lymphknoten in der Achsel noch nicht tastbar. „In dieser Situation besteht die Behandlung in einer brusterhaltenden Entfernung des Tumors, des Wächterlymphknotens und einer Bestrahlung der Brust“, erklärt DEGRO-Präsident Professor Michael Baumann, Direktor der Universitäts-Strahlenklinik Dresden.

Rückfallrisiko in beiden Gruppen gering

Die Studienteilnehmerinnen mit einem befallenen Wächterlymphknoten wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Bei den Frauen in der einen Gruppe wurden die Lymphknoten in der Achsel entfernt, in der anderen Gruppe wurde der Achselbereich lediglich bestrahlt. „Rückfälle waren in beiden Behandlungsgruppen sehr selten“, erläutert DEGRO-Pressesprecher Professor Frederik Wenz, Direktor der Universitäts-Strahlenklinik Mannheim. „Und nach der Strahlentherapie kam es nicht signifikant häufiger zu einem Tumorrückfall in der Achselhöhle als nach der operativen Entfernung der Lymphknoten.“

Doch unter der Radiotherapie traten deutlich seltener Lymphödeme auf: Von den operierten Frauen litten im ersten Jahr 28 Prozent an der schmerzhaften Schwellung des Arms, nach fünf Jahren waren es noch 23 Prozent. Bei der Bestrahlungsgruppe waren es im Vergleichszeitraum nur 15 beziehungsweise 14 Prozent.

Die Strahlentherapie ist also eine Möglichkeit, das Risiko für ein Lymphödem zu reduzieren. Doch gilt diese Option nicht für alle Brustkrebspatientinnen. Nutzen und Risiken der verschiedenen Behandlungsvarianten müssen stets im Einzelfall abgewogen werden, insbesondere unter Berücksichtigung der Tumorbiologie.