Problemkeime in der ambulanten Pflege

Im Jahr 2015 haben über die Hälfte aller ambulanten Pflegedienste in Deutschland Menschen versorgt, die mit Problemkeimen infiziert waren. (Foto: Gina Sanders / Fotolia)
Im Jahr 2015 haben über die Hälfte aller ambulanten Pflegedienste in Deutschland Menschen versorgt, die mit Problemkeimen infiziert waren. (Foto: Gina Sanders / Fotolia)

(dbp/fru) Infektionen mit sogenannten multiresistenten Keimen können bei Menschen, die sowieso schon ein geschwächtes Immunsystem haben, schwere Komplikationen auslösen.

Dazu gehören beispielsweise Atem- und Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen oder eine Sepsis (umgangssprachlich „Blutvergiftung“). In der Regel  lassen sich Infektionen gut mit Antibiotika-Medikamenten behandeln.

Da es jedoch hiervon nur eine begrenzte Anzahl gibt und mehrere Erreger bereits Resistenzen gegen einzelne dieser Medikamente entwickelt haben, wird das zunehmend zu einem Problem für Pflegebedürftige. „Wir müssen im Gesundheitssystem die häusliche Pflege als relevantes Feld im Kampf gegen multiresistente Keime stärker wahrnehmen“, fordert Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP).

Studie des ZQP zeigt Herausforderungen auf

Da die Erreger ihre Resistenzen auch an andere Arten von Bakterien weitergeben können, weitet sich das Problem zunehmend aus. „Zu Risiken und dem richtigen Umgang mit solchen Infektionen im häuslichen Versorgungsumfeld müssen Angehörige und Profis gezielter aufgeklärt werden“, sagt Suhr. Eine repräsentative Studie des ZQP zeigt, dass Problemkeime und Hygienestandards die Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten vor große Herausforderungen stellen.

Hiernach haben im Jahr 2015 über die Hälfte aller ambulanten Pflegedienste in Deutschland (57 Prozent) Menschen versorgt, bei denen dokumentiert war, dass sie mit einem solchen Erreger besiedelt waren. Unter den befragten Pflegedienstleitern gab zudem mehr als jeder Vierte (27 Prozent) an, dass die Mehrheit der Mitarbeiter Angst davor habe, sich selbst mit einem solchen Problemkeim zu infizieren. Daher bestehe laut Umfrage dringender Informations- und Schulungsbedarf für Pflegedienstmitarbeiter im Umgang mit Pflegebedürftigen mit Problemkeimen (27 Prozent) sowie bei der Händedesinfektion (20 Prozent) und Wundversorgung (16 Prozent).