Pro & Kontra Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel können dazu beitragen, eine Versorgungslücke zu schließen. (Foto: PhotoSG / Fotolia)
Nahrungsergänzungsmittel können dazu beitragen, eine Versorgungslücke zu schließen. (Foto: PhotoSG / Fotolia)

Vitamine, Mineralstoffe und Co. sind genug in der Nahrung vorhanden – oder?

(dbp/auh) Lagerkampf statt wissenschaftlicher Diskurs – so präsentiert sich die Debatte um das Für und Wider von Nahrungsergänzungsmitteln in der Öffentlichkeit. Jedes neue Studienergebnis wird als Bestätigung der eigenen Überzeugung interpretiert – von beiden Seiten. Für den medizinischen Laien, der weniger an Ideologie als an sachlich begründeter Information interessiert ist, hier ein paar unbestreitbare Fakten.

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Medizin. Nahrungsergänzungsmittel (NEM) gehören nicht zu den Arzneimitteln, sondern zu den Lebensmitteln. Die Heilserwartungen sollten dementsprechend zurückgeschraubt werden. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente können in den Dosierungen, wie sie für NEM üblich sind, weder Krankheiten heilen noch grundsätzliche Ernährungsfehler oder schwere Mangelerscheinungen ausgleichen.

Wer sich optimal ernährt, braucht keine NEM. Stimmt. Ist aber reine Theorie. Denn zum einen gibt es Personengruppen mit einem erhöhten Nährstoffbedarf, der in der Praxis nicht über die Ernährung allein gedeckt wird. Dazu gehören Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere, Stillende, Kinder bis zu einem gewissen Alter und Menschen, die zu selten die Sonne an ihre Haut lassen.

Zum anderen: Die „optimale“ Ernährung scheint in der Realität eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Beispiele aus der Nationalen Verzehrsstudie II von 2008: 82,2 Prozent der Männer und 91,2 Prozent der Frauen nehmen weniger Vitamin D mit der Nahrung auf, als offiziell empfohlen. 79 Prozent der Männer und 85,8 Prozent der Frauen bleiben bei Folsäure unterhalb der empfohlenen Zufuhrmenge. Knapp die Hälfte der Deutschen nimmt täglich zu wenig Vitamin E auf und bei Vitamin C bleibt etwa ein Drittel unterhalb der ratsamen Menge.

Professor Dr. Andreas Hahn, Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaftler an der Universität Hannover, fasst das Dilemma zusammen: „Wer gesund ist und sich ausgewogen ernährt, braucht natürlich keine NEM. Doch wer weiß schon, ob er sich ausgewogen ernährt?“

NEM können für den einen sinnvoll sein, für den anderen völlig überflüssig. Professor Hahn legt Wert darauf, dass es kein pauschales Urteil pro oder kontra NEM geben kann. Es kommt auf den einzelnen Menschen an, auf seine Lebenssituation, die vielleicht nur vorübergehend einen erhöhten Bedarf mit sich bringt. In dem Fall rät der Experte zu einer „physiologischen Dosierung“ von Mikronährstoffen, also keine Hochdosierung.

Von NEM geht kein Risiko für die Gesundheit aus. Die Produkte, die legal auf dem deutschen Markt verkauft werden, stellen hinsichtlich der Dosierung kein Problem dar. Wer sich an die Empfehlung auf der Packung hält, geht kein Risiko ein. Insbesondere bei Produkten aus dem Ausland, die übers Internet verfügbar sind, gibt es diese Sicherheit nicht.