Privat versichern sollte gut überlegt sein

Eine Chefarztbehandlung gilt für viele noch als Grund, sich privat krankenversichern zu lassen. (Foto: Fotolia / tunedin)
Eine Chefarztbehandlung gilt für viele noch als Grund, sich privat krankenversichern zu lassen. (Foto: Fotolia / tunedin)

Der Weg in die private Krankenversicherung ist meist eine Einbahnstraße.

(dbp/abz) Der Weg in die private Krankenversicherung (PKV) steht grundsätzlich nur Beamten, Selbstständigen sowie Angestellten offen, die mindestens drei Jahre lang eine jährlich angepasste Gehaltsgrenze (in 2016 gut 4680 Euro monatlich) überschritten haben. Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind bei der PKV Familienmitglieder nicht kostenlos mitversichert. Eine Rückkehr in die GKV funktioniert nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden.

Tarife hängen vom Alter, versicherten Leistungen und dem Risiko ab

Während in der GKV der Beitrag 14,6 Prozent beträgt, hängen die Beiträge (Prämien) in der PKV davon ab, welche Leistungen der Versicherte in Anspruch nehmen möchte. Er kann zwischen verschiedenen Tarifen wählen. Wer mehr will, muss auch mehr Beiträge zahlen – und zwar losgelöst vom Einkommen. Außerdem zählen Alter, Geschlecht, Beruf und der Gesundheitszustand, für den eventuell weitere Risikozuschläge fällig sind. In ihren regulären Tarifen können die PKV-Versicherer auch Antragsteller ablehnen, wenn sie z. B. Vorerkrankungen haben und damit ein zu hohes Kostenrisiko besteht.

Inzwischen müssen sie aber auch einen gesetzlich vorgeschriebenen Basistarif anbieten, der auch für ältere und kränkere Menschen offen ist. Hintergrund dafür ist der Wunsch, dass die PKV-Unternehmen sich nicht mehr nur die jungen, gesunden Gutverdiener aussuchen können. Über die Leistungen wird zwischen der Versicherung und dem Kunden ein Vertrag geschlossen. Dafür sollten Interessierte im Vorfeld unbedingt verschiedene Angebote vergleichen und sich gut beraten lassen.

In regelmäßigen Abständen werden die Beiträge neu kalkuliert; Experten sagen, dass die Preissteigerung bei der PKV deutlich über den Steigerungen der GKV liegt. Vor dem Wechsel in die PKV sollte deshalb gut überlegt werden, ob man auch im Alter bei geringerem Einkommen, in der Lage ist, die dann möglicherweise stark gestiegenen Beiträge zu bezahlen. Allerdings haben Privatversicherte einen Rechtsanspruch auf einen Tarifwechsel, der dann allerdings auch mit Verlust von Leistungsansprüchen einhergehen dürfte. Der Weg zurück in eine Gesetzliche Krankenkasse ist nur möglich, wenn das Gehalt unter der Versicherungspflichtgrenze liegt und der Versicherte unter 55 Jahre alt ist. Ein weiterer Ausweg ist der Eintritt von Arbeitslosigkeit.

Privatpatienten genießen durchaus Vorteile

Während es bei der GKV einen für alle gültigen Leistungskatalog gibt, sind diese bei der PKV variabel. Wer einen entsprechenden Tarif wählt, kann also damit rechnen, dass zum Beispiel die Kosten für alternative Heilmittel bezahlt werden. Außerdem sind ein Einzelzimmer beim Klinikaufenthalt und der Besuch beim Facharzt ohne Überweisung möglich.

Privatpatienten werden in Arztpraxen oft bevorzugt behandelt und bekommen häufig tatsächlich schneller Termine. Grund: Für Ärzte ist ihre Behandlung finanziell lohnender, da die Honorare hier deutlich höher angesetzt sind. Das liegt vor allem daran, dass die gesetzlichen Leistungen durch ein festes Budget gedeckelt sind – je mehr GKV-Patienten eine Behandlung in Anspruch nehmen, desto weniger bekommt der Arzt am Quartalsende dafür. Bei der PKV gibt es das nicht.