Prävention ist kostenlos, aber nicht umsonst

Krebsfrüherkennung ist ein Schwerpunkt der gesetzlichen Prävention in Deutschland. (Foto: N-Media-Images / Fotolia)
Krebsfrüherkennung ist ein Schwerpunkt der gesetzlichen Prävention in Deutschland. (Foto: N-Media-Images / Fotolia)

Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf zahlreiche Früherkennungsuntersuchungen.

(dbp/auh) Prävention wird groß geschrieben in Deutschland. Die Gesundheitsvorsorge ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Jeder Versicherte kann bestimmte ärztliche Früherkennungsuntersuchungen und Impfungen kostenlos in Anspruch nehmen. Mit Betonung auf „kann“. Es gibt keine Pflicht zur Prävention. Der Gesetzgeber setzt auf die Eigenverantwortung der Versicherten. Informationen der staatlichen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sollen die Bürger über Möglichkeiten der gesundheitlichen Prävention aufklären.

Auch die gesetzlichen Krankenkassen, die übrigens die BZgA mitfinanzieren müssen, und die kassenärztlichen Vereinigungen setzen sich dafür ein, dass mehr Patienten die gesetzlichen Leistungen zur Vorsorge in Anspruch nehmen. Denn diese Untersuchungen sind nach Angaben der AOK „in Deutschland eher unbeliebt“. Nur jeder fünfte Mann und etwa jede zweite Frau ging im Jahr 2011 zur Krebsfrüherkennung.

Unkenntnis hält viele vom Arztbesuch ab

Die AOK: „Ausschlaggebend für die insgesamt geringe Akzeptanz der Vorsorgeuntersuchungen dürfte einerseits die persönliche Einstellung vieler Versicherter sein, dass es wenig Sinn mache, gesund und beschwerdefrei zum Arzt zu gehen. Aber auch die Unsicherheit und Unkenntnis hinsichtlich der wesentlichen Komponenten und des ärztlichen Vorgehens bei solchen Vorsorgeuntersuchungen dürfte viele davon abhalten, sie in Anspruch zu nehmen.“

Erschreckend: Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie anspruchsberechtigt sind. Bei einer repräsentativen Umfrage unter Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen aus dem Jahr 2007 gaben fast 28 Prozent der 30-jährigen Frauen an, sie wüssten nichts von der jährlichen Brustkrebsfrüherkennung. Ebenfalls knapp 28 Prozent der Männer über 45 Jahre kannten ihren Anspruch auf Prostatakrebsfrüherkennung nicht.

Welche Krebsfrüherkennungsuntersuchungen gehören zum gesetzlichen Leistungskatalog?

Frauen können ab dem 20. Lebensjahr jährlich eine Krebsvorsorge in Anspruch nehmen. Bis zum 30. Lebensjahr steht dabei die Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses im Vordergrund. Danach kommt das Abtasten der Brustdrüsen und der zugehörigen Lymphknoten hinzu. Außerdem erhält die Frau eine Anleitung zur Selbstuntersuchung der Brust.

Zum Mammographie-Screening-Programm werden alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eingeladen. Mit den Reihenuntersuchungen soll Brustkrebs frühzeitig erkannt und behandelt werden, um die Sterblichkeitsrate an dieser Krankheit zu senken.

Männer können ab 45 zur Krebsvorsorge gehen. Der Arzt kontrolliert dabei die äußeren Genitalorgane, den Enddarm, die Prostata-Drüse und die Lymphknoten in der Leistenregion.

Frauen und Männer ab 35 Jahre haben alle zwei Jahre Anspruch auf einen Hautkrebs-Check. Die Darmkrebsfrüherkennung beginnt im Alter von 50 Jahren mit einem Stuhltest, der verstecktes Blut aufspüren kann. Ab 55 Jahre hat jeder Versicherte Anspruch auf zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren.