Postoperative Inkontinenz geht meist vorüber

Nach einer Prostata-OP kann es eine Zeit lang zu unwillkürlichem Urinverlust kommen. (Foto: cirquedesprit / Fotolia)
Nach einer Prostata-OP kann es eine Zeit lang zu unwillkürlichem Urinverlust kommen. (Foto: cirquedesprit / Fotolia)

Wenn die Prostata fehlt, muss der Blasenschließmuskel im Beckenboden gekräftigt werden

(dbp/auh) Die Diagnose Prostatakrebs bedeutet nicht unweigerlich, dass operiert werden muss. Es gibt mehrere andere Therapie-Optionen, die in Erwägung gezogen werden können, darunter die „aktive Überwachung“ und die Brachy- oder Strahlentherapie. Fällt die Entscheidung zugunsten der radikalen Prostatektomie, so ist mit einer zumindest vorübergehenden Inkontinenz zu rechnen.

Das Problem kann sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein: Bei vielen Männern tröpfelt es nur beim Lachen, Niesen, Husten oder beim Heben schwerer Lasten. Andere brauchen Tag und Nacht Vorlagen.

Dauerhafte Inkontinenz ist selten

Über die Häufigkeit der Inkontinenz als bleibende Folge des Eingriffs gibt es sehr verschiedene Aussagen. Die Urologische Klinik am Uniklinikum München spricht von zwei Prozent, wenn die Operation in einer spezialisierten Klinik vorgenommen wurde. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft kommt es bei etwa 5 bis 10 Prozent der operierten Patienten zu einer bleibenden Inkontinenz. Jüngere internationale und nationale Untersuchungen sprechen von 16 bis 17 Prozent, darunter auch der Barmer GEK Krankenhausreport.

Blasenkatheter meist nur eine Woche

Kurz nach der Operation ist Inkontinenz ganz normal. Denn mit der Prostata muss auch ein Teil der Harnröhre entfernt werden. Zwischen Blase und Harnröhre wird eine neue Verbindung gelegt und mit Nähten gesichert. Zur Schienung der Nahtstelle wird ein Blasenkatheter gelegt, der den Urinabfluss in den Tagen nach der Operation gewährleistet. Etwa sieben Tage nach dem Eingriff findet eine „Dichtigkeitsprüfung“ per Ultraschall oder Röntgenaufnahme statt. Ist die Naht dicht, kann der Katheter entfernt werden.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass eine vorübergehende Blasenschwäche unvermeidbar ist. Denn vor der OP ist der Urinabgang quasi dreifach abgesichert: vom unwillkürlichen inneren Blasenschließmuskel, von der Prostata selbst (dadurch, dass sie die Harnröhre einengt) und vom willkürlichen äußeren Schließmuskel im Beckenboden. Dieser muss nach der OP ganz allein für die Kontrolle des Harnabflusses sorgen. Deshalb ist spezielles Muskeltraining so wichtig für die Wiederherstellung der Kontinenz.

Multimodales Kontinenztraining

Allerdings: Jeder Patient braucht eine individuell auf ihn zugeschnittene Nachsorge. Es kann also keine pauschale Empfehlung gegeben werden, wie die Kontinenz am schnellsten wiedererlangt wird. Auch kann nicht prognostiziert werden, für welche Zeitspanne das Kontinenztraining erforderlich sein wird.

Die S3-Leitline „Prostatakarzinom“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie nennt verschiedene Methoden zur Beseitigung der postoperativen Harninkontinenz. Die Basis bildet ein spezielles physiotherapeutisches Kontinenztraining. Zusätzlich kommen bei Bedarf infrage: Medikamente, die die Blasenfunktion stabilisieren, Elektrostimulationstherapie (Reizstrom) oder Biofeedback-Sphinktertraining. Die Deutsche Krebshilfe erklärt: Bei diesem Biofeedback-Training wird mithilfe empfindlicher Messgeräte die jeweilige Anspannung des Schließmuskels (lateinisch „Sphinkter“) gemessen und dem Patienten optisch angezeigt, also zurückgespielt (Feedback).

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Mitteilung des Wetsdeutschen Prostata-Zentrums in Köln: „Wie häufig inkontinent nach OP?“, darin der Verweis auf: Lent V.Schultheis H.M., Strauß L. et al.: Belastungsinkontinenz nach Prostatektomie in der Versorgungswirklichkeit; Urologe 2013 – 52:1104-1109; Ratgeber „Männliche Sexualität und Krebs“, hrsg. vom Krebsinformationsdienst DKFZ, 2. Auflage 2014; Online-Informationen vom Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe, www.prostatakrebs-bps.de,Online-Informationen der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft, www.kontinenz-gesellschaft.de/fileadmin/user_content/startseite/patienten/krankheiten_therapien/harninkontinenz/DKG_H-uS_01-13.pdf; Patienteninformation „Die Radikaloperation der Prostata beim Prostatakarzinom“, hrsg. vom Prostatazentrum am Universitätsklinikum Münster, März 2009; alle Informationen abgerufen im Juni 2014