Polymyalgie muss behandelt werden

Sehstörungen und einseitiger Schläfenkopfschmerz gehören zu den Symptomen bei Polymyalgie. (Foto: hriana / Fotolia)
Sehstörungen und einseitiger Schläfenkopfschmerz gehören zu den Symptomen bei Polymyalgie. (Foto: hriana / Fotolia)

(dbp/auh) Die entzündlich-rheumatische Krankheit Polymyalgie kann unbehandelt zum Sehverlust auf einem Auge führen.

„Leider wird diese Erkrankung immer wieder übersehen, so dass betroffene Patienten erst in die Praxis kommen, wenn sie ihr Augenlicht bereits einseitig verloren haben“, bedauert Dr. Florian Schuch, der als Rheumatologe in Erlangen arbeitet.

In seiner Funktion als Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen (BDRh) weist er auf mögliche erste Anzeichen der „Polymyalgia rheumatica“ hin: Schmerzen in den Schultern, die morgens besonders stark sind und sich bei Bewegung verschlimmern, sind ein typisches Frühsymptom. Wenn zusätzlich einseitige Schläfenkopfschmerzen und Sehstörungen auftreten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Denn gleichzeitig mit der Polymyalgie tritt häufig eine Arteriitis temporalis (Schläfenarterienentzündung) auf.

„Mithilfe einer rasch einsetzenden Behandlung der Patienten mit Cortison und Acetylsalicylsäure (ASS) kann die Gefahr einer Erblindung gesenkt werden. Sobald sich die Entzündungszeichen im Blut wieder normalisiert haben, ist diese Komplikation meist nicht mehr zu befürchten“, erläutert Dr. Schuch. Richtig therapiert hat die Polymyalgia rheumatica eine günstige Prognose.

Frauen sind drei- bis viermal häufiger betroffen als Männer, das Erkrankungsalter liegt meist über 50 Jahre. „Ein wichtiger Hinweis auf diese Erkrankung sind deutlich erhöhte Entzündungsmarker. Wenn eine vorliegt, kommt es zu einer sogenannten Sturzsenkung, also einer besonders raschen Blutsenkung“, betont Dr. Schuch. Nach Ausschluss anderer Ursachen (Infektionen oder Tumore) lässt sich der Verdacht auf eine gleichzeitig vorliegende Entzündung der Schläfenarterie durch eine spezielle Ultraschalluntersuchung bestätigen und dann gegebenenfalls durch eine Gewebeprobe der verdickten Arterie absichern.