Plötzlicher Herztod: Sportler sollten ihr Risiko kennen

Nicht jedes Läuferherz ist für die Belastungen eines Marathons ausgelegt. (Foto: Bilderbox)
Nicht jedes Läuferherz ist für die Belastungen eines Marathons ausgelegt. (Foto: Bilderbox)

Eine sportmedizinische Untersuchung bringt unerkannte Herzerkrankungen ans Licht

(dbp/spo) Es passiert während der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London 2012: Der norwegische Schwimmer Alexander Dale Oen (26) bricht nach einer Trainingseinheit in der Dusche zusammen. Sein Herz hört einfach auf zu schlagen. Dass offenbar kerngesunde Sportler wie Dale Oen einen plötzlichen Herztod erleiden, kommt immer wieder vor. In den meisten Fällen gibt es dafür allerdings Gründe, die eine sportmedizinische Untersuchung wahrscheinlich hätte aufdecken können.

Das sagt der Münchner Sportmediziner und Olympiaarzt der deutschen Mannschaft, Dr. Bernd Wolfarth. Er leitet das Forschungsprojekt „EKG-Veränderungen im Sport“, das vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert wird. Ziel ist es, herauszufinden, wie sportmedizinische Untersuchungen aussehen müssen, um die Risikopatienten für den plötzlichen Herztod effektiv herauszufiltern. Wie passt sich das Herz an körperliches Training an? Wann sind EKG-Befunde, die von der Norm abweichen, auf das Training zurückzuführen, wann auf eine Erkrankung des Herzens? Das sind Fragen, denen Dr. Wolfarth und sein Team nachgehen. „Wir erwarten uns davon auch einen Nutzen für den Freizeitsport“, sagt er.

Viele kennen die Leistungsgrenze ihres Herzens nicht

Ein Beispiel: Einen Marathon zu laufen, ist schon lange nicht mehr nur Sache von Leistungssportlern. Inzwischen trainieren viele ambitionierte Hobbyläufer für die Teilnahme an solchen Wettbewerben. Ob jeder Hobbyläufer sich gleich den gut 42 Kilometern stellen muss, sei dahingestellt, sagt Dr. Wolfarth. So mancher tut es allerdings, ohne die wahre Leistungsfähigkeit seines Körpers – respektive seines Herzens – zu kennen.

Bei einer sportmedizinischen Untersuchung kann ein erhöhtes Herztod-Risiko ans Licht kommen. Und noch viel häufiger und genauer, wenn jeder Sportmediziner einheitliche Handlungsempfehlungen beim Auftreten von EKG-Veränderungen an die Hand bekommt – so Wolfarths Vorstellung.

Die häufigste Ursache: Herzerkrankungen

Der plötzliche Herztod kommt indes gar nicht immer so grundlos daher wie es den Anschein hat. In etwa 30 Prozent der Fälle ist die Ursache tatsächlich unbekannt – das sagt eine US-amerikanische Studie über Herztodfälle junger Athleten von 2009. Die restlichen 70 Prozent werden durch eine Herzerkrankung verursacht. Bei den unter 35-Jährigen ist es überwiegend eine angeborene Erkrankung, die sogenannte hypertrophe Kardiomyopathie. Weil sie im Alltag nicht unbedingt für Beschwerden sorgt, bleibt sie nach Angaben der deutschen Herzstiftung oft lange unerkannt. Bei den über 35-Jährigen ist der häufigste Grund für den plötzlichen Herztod eine koronare Herzkrankheit, also die Verkalkung der Herzkranzgefäße. Die Folgen ähneln sich: Unter extremen Belastungen kann es zu schnellen Rhythmusstörungen kommen, Blutkreislauf und Sauerstoffversorgung brechen ein. Ohne Gegenmaßnahme – etwa mit einem Defibrillator – ist das das Ende.

„Glücklicherweise“, sagt Dr. Wolfarth, komme der plötzliche Herztod beim Sport relativ selten vor. Aber er kommt eben vor, weshalb Wolfarth allen ambitionierten Hobbysportlern zu einem Check beim Sportmediziner rät. Grundsätzlich kann regelmäßiger Sport das Herz vor Erkrankungen schützen, das Maß der Aktivität muss allerdings der körperlichen Leistungsfähigkeit angepasst werden. Übertriebener Ehrgeiz, so warnt auch die Deutsche Herzstiftung, könne gefährlich werden.