Phytopharmaka helfen beim Ein- und Durchschlafen

Baldrian wird häufig bei Schlafstörungen eingesetzt und kann als Tabletten, Tropfen oder Teemischung zum Einsatz kommen. (Foto: Fotolia / petrabarz)
Baldrian wird häufig bei Schlafstörungen eingesetzt und kann als Tabletten, Tropfen oder Teemischung zum Einsatz kommen. (Foto: Fotolia / petrabarz)

Aber auch pflanzliche Arzneien können Nebenwirkungen haben

Trotz der Verbreitung chemisch hergestellter Medikamente spielt die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) weiterhin eine große Rolle in der Medizin. Sie gehört zu den ältesten Therapiemethoden überhaupt. Ihre Ursprünge lassen sich sogar bis in die Kräuterheilkunde des alten Ägyptens zurückverfolgen, wird vom Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH), Landesverband Schleswig-Holstein, mitgeteilt. Berühmte Vorreiter in Mitteleuropa waren der Arzt Paracelsus oder die Nonne Hildegard von Bingen. Auch aus fernöstlichen Heilmethoden wie der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) oder dem Ayurveda sind Pflanzen und ihre Wirkung auf den Körper nicht wegzudenken.

Beruhigen gereizte Nerven und fördern den Schlaf

„Die Pflanzenheilkunde nutzt den reinen Pflanzenauszug, zum Beispiel aus Blättern, Blüten oder dem Wurzelstock oder auch aus der gesamten Arzneipflanze“, erklärt der FDH, Landesverband Schleswig-Holstein. Sie sei jedoch nicht mit der Homöopathie zu verwechseln, bei der u. a. auch Pflanzen eingesetzt werden, jedoch in einer anderen Aufbereitungsform. Das Anwendungsspektrum der Phytotherapie erstreckt sich von Stoffwechselstörungen über Magen- und Darmerkrankungen, Leber- und Gallenleiden, Hauterkrankungen, Rheuma, Augenleiden bis hin zu Herz-, Nieren- und Blasenerkrankungen. Und auch Ein- und Durchschlafstörungen können behandelt werden.

Bei leichten bis mittelschweren Schlafstörungen können Baldrian, Lavendel, Hopfen und Melisse zum Einsatz kommen. Die Substanzen sollten jedoch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, um befriedigende Ergebnisse zu erzielen. So wirkt Baldrianextrakt in klinischen Studien im Vergleich mit Placebo-Präparaten erst nach etwa 14 Tagen. „Anders sieht es aber aus, wenn ätherische Öle über die Duftebene zur Anwendung kommen“, heißt es auf dem Portal „Heilpflanzen-Info“. So könne Lavendelöl oder Melissenöl über Geruchsrezeptoren und Geruchsnerven direkt ins Limbische System wirken – und zwar schon in wenigen Minuten.

Oft weniger Nebenwirkungen

Es gibt Pflanzen mit einer stärkeren oder sanfteren Heilwirkung, was besagt, dass sie nicht sorglos, sondern teilweise mit großer Vorsicht anzuwenden sind. Phytopharmaka gibt es heute größtenteils in Form von fertigen Mischungen als Tropfen, Tabletten, Salben, Tinkturen und Öl. Die meisten pflanzlichen Mittel sind nebenwirkungsärmer als chemisch hergestellte. Komplett nebenwirkungsfrei sind sie allerdings nicht, weshalb ihr übermäßiger Genuss ohne ärztliche Rücksprache nicht empfehlenswert ist.

Bei Baldrian, der bei Schlafstörungen oft verwendet wird, können beispielsweise leichte Müdigkeit, Kopfschmerzen, Ausschläge, Juckreiz, Schwindel sowie Magen-Darm-Beschwerden auftreten. In Deutschland unterliegen Phytopharmaka übrigens – genau wie synthetisch hergestellte Arzneimittel – der Zulassungspflicht. Das heißt: Sie müssen im Vorfeld vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf ihre Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität geprüft werden.