Pflegebedürftige gehen zu selten zum Zahnarzt

Die Zahngesundheit selbstständig lebender Senioren ist viel besser als die von Pflegebedürftigen. (Foto: gewitterkind / Fotolia)
Die Zahngesundheit selbstständig lebender Senioren ist viel besser als die von Pflegebedürftigen. (Foto: gewitterkind / Fotolia)

Senioren in Pflegeeinrichtungen brauchen eine bessere zahnmedizinische Versorgung

(dbp/wgt) Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt und damit auch die Zahl der zahnmedizinisch unzureichend versorgten älteren Menschen. Denn Pflegebedürftige werden im Vergleich zu ihren nicht auf Pflege angewiesenen Altersgenossen deutlich seltener zahnärztlich behandelt. Zu diesem Ergebnis kommt der Barmer GEK Pflegereport 2014. Betroffen seien besonders die Bewohner in Pflegeheimen, so die Experten. „Aus Studien wissen wir, dass für einige Pflegebedürftige der letzte Zahnarztbesuch schon Jahrzehnte zurückliegt“, betont Studienautor Professor Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik der Uni Bremen.

Probleme im Alter: Karies und Zahnverlust

Bei mehr als der Hälfte der pflegebedürftigen Senioren lag der letzte Termin beim Zahnarzt knapp zwei Jahre oder länger zurück. Darunter leidet in der Regel die Zahngesundheit. So weisen die Pflegeheimbewohner häufig einen hohen Kariesbefall der Zähne auf. Mehr als die Hälfte der Betroffenen hat keine eigenen Zähne mehr, während der Anteil der Zahnlosen bei zu Hause lebenden Menschen im Alter von 65 bis 74 Jahren laut Pflegereport lediglich bei 22,6 Prozent liegt. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, dass die Pflegebedürftigen in Heimen meist deutlich älter sind.

Auf die Lücken in der zahnmedizinischen Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen haben auch die Vertreter der Zahnärzteschaft in den vergangenen Jahren häufiger hingewiesen und gefordert, dass diese einen rechtlich gesicherten Anspruch auf Leistungen zur Vermeidung von Zahnerkrankungen erhalten.

Anspruch auf Leistungen zur Vorsorge

Pflegebedürftige können sich oftmals nicht mehr ausreichend selbst um Zahn- und Mundpflege kümmern. Auch die Möglichkeiten, regelmäßig eine Praxis aufzusuchen, sind begrenzt. Hier gilt es, durch eine Mischung aus klaren gesetzlichen Regelungen und einer besonderen Fürsorge der Zahnmedizin Verbesserungen herbeizuführen“, erläutert Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK).

Inzwischen hat die Bundesregierung reagiert und angekündigt, die zahnmedizinische Prävention im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz festzuschreiben. Pflegebedürftige, Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz und Menschen mit Behinderung sollen demnach künftig einen Anspruch auf Leistungen zur Verhütung von Zahnerkrankungen erhalten. Dazu sollen neben der Untersuchung der Mundgesundheit auch die Aufklärung über die Mundhygiene, die Erstellung eines Plans zur Mund- und Prothesenpflege sowie die Entfernung von Zahnbelag gehören.

Fortbildung für Zahnärzte

Weil ältere Patienten generell und Pflegebedürftige im Besonderen oft eine individuelle zahnärztliche Betreuung und angemessene Behandlung benötigen, bietet die Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) Zahnärzten nach entsprechender Fortbildung eine spezielle Zertifizierung als „Spezialist für Seniorenzahnmedizin“. Die Zahnärzte erwerben dabei nicht nur Kenntnisse über altersbedingte Veränderungen der Mundsituation, sondern lernen auch, die notwendigen Behandlungen auf den psychischen und physischen Zustand der Patienten abzustimmen. Hinzu kommen spezielle Kenntnisse für die Lagerung und Hilfestellung bei motorisch stark eingeschränkten Patienten sowie bei der Einrichtung einer seniorengerechten Praxis.

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Barmer GEK Pflegereport (2014): Schwerpunkt: Zahnärztliche Versorgung Pflegebedürftiger. Online: http://presse.barmer-gek.de/barmer/web/Portale/Presseportal/Subportal/Presseinformationen/Aktuelle-Pressemitteilungen/141125-Pflegereport/PDF-Pflegereport-2014,property=Data.pdf; Bundeszahnärztekammer (o.J.): Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter. Konzept zur vertragszahnärztlichen Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen. Online: http://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/presse/AuB_Konzept.pdf; Bundeszahnärztekammer (2014): Verbesserte zahnmedizinische Versorgung für pflegebedürftige Patientinnen und Patienten. Pressemitteilung zum Barmer GEG Pflegereport. Online: http://www.bzaek.de/fuer-medien/presseinformationen/presseinformation/bzaek/2014/11/25/verbesserte-zahnmedizinische-versorgung-fuer-pflegebeduerftige-patientinnen-und-patienten.html; Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) (2008): Ordnung für die Zertifizierung zum Spezialisten für Seniorenzahnmedizin der DGAZ und für das Siegel Seniorengerechte Praxis/Klinik nach den Richtlinien der DGAZ. Online: http://www.dgaz-online.de/tl_files/Dateien/DGAZ%20Zertifizierung%201-12-08.pdf; Referentenentwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Versorgungsstärkungsgesetz – GKV-VSG) vom 21.10.2014. Online: http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Gesundheitswesen/Dokumente/Referentenentwurf%20GKV-VSG.pdf; alle Informationen abgerufen im Dezember 2014