Pflege kann zermürben

Wer einen demenzkranken Angehörigen pflegt, stößt oft an die Grenzen seiner Kraft. (Foto: GordonGrand / Fotolia)
Wer einen demenzkranken Angehörigen pflegt, stößt oft an die Grenzen seiner Kraft. (Foto: GordonGrand / Fotolia)

Wer einen demenzkranken Angehörigen betreut, kann psychologische Hilfe gut gebrauchen

(dbp/auh) Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Demenzerkrankung. Zurzeit leben rund 70 Prozent der Demenzkranken zu Hause. Sie werden von Angehörigen oder privat organisierten Pflegekräften betreut. Experten prognostizieren, dass in Zukunft immer weniger Familien in der Lage sein werden, ihre demenziell erkrankten Angehörigen in diesem Umfang zu Hause zu pflegen. Der demografische Wandel, die zunehmende berufliche Mobilität und eine steigende Zahl von Single-Haushalten werden die häusliche Pflege immer häufiger unmöglich machen.

Doch selbst unter idealen äußeren Bedingungen kann die ständige, manchmal jahrelange, körperliche und psychische Belastung buchstäblich zermürben. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass pflegende Angehörige ein erhöhtes Risiko für körperliche Beschwerden und psychische Erkrankungen haben, insbesondere depressive und psychosomatische Symptome treten bei ihnen häufiger auf.

Daher raten Experten dazu, sich möglichst frühzeitig über Hilfsangebote zu informieren. Das Bundesfamilienministerium stellt auf der Internetseite www.wegweiser-demenz.de zahlreiche Beratungsmöglichkeiten vor, darunter einen kostenlosen Online-Dienst, der psychologische Unterstützung für pflegende Angehörige bietet: www.pflegen-und-leben.de.

Psychologische Online-Beratung

Dabei handelt es sich um ein Modellprojekt, wissenschaftlich begleitet von der Freien Universität Berlin, das vom Bundesfamilienministerium gefördert wird und nach Ablauf der Projektdauer im Herbst 2013 weitergeführt werden soll. Nach Angaben des Projektträgers, der gemeinnützigen Gesellschaft Catania, wird eine Erst-Anfrage innerhalb von zwei bis vier Werktagen beantwortet. Erwünscht sei ein regelmäßiger schriftlicher Austausch über einen Zeitraum von etwa drei Monaten. Gemeinsam suchen die speziell geschulten Psychologen und die Ratsuchenden nach Lösungsmöglichkeiten, die zur Entlastung im Pflegealltag führen. Allerdings kann und will die psychologische Online-Beratung keine Psychotherapie ersetzen. Auch werden keine konkreten Hilfestellungen zu pflegepraktischen, medizinischen oder rechtlichen Problemen angeboten.

Unterstützung per Telefon

Dass psychologische Unterstützung per Telefon den pflegenden Angehörigen helfen kann, belegte eine bundesweite Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena in den Jahren 2008 bis 2010. „Im Ergebnis konnten signifikante positive Effekte auf die Gesundheit und Lebensqualität der Angehörigen nachgewiesen werden“, heißt es auf Internetseite des Projekts „Telefonische Therapie für Angehörige Demenzerkrankter“, kurz: TeleTAnDem. Drei Monate lange wurden mehr als 100 Pflegende begleitet. Sie berichteten danach von einem verbesserten Gesundheitszustand, von verringerten depressiven Symptomen und einer erhöhten Lebensqualität.

Für das Folgeprojekt mit dem Titel „TeleTAnDemTransfer“ werden noch Studienteilnehmer gesucht. In dieser Untersuchung soll nicht nur die telefonische, sondern auch die persönliche Beratung erforscht werden. Wer einen demenzkranken Menschen zu Hause pflegt und bisher keine therapeutische Unterstützung hatte, kann an der bundesweiten Studie teilnehmen. Interessenten wenden sich per Mail an teletandem@uni-jena.de.

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