Parkinson kann jeden treffen

Was bei Parkinson im Körper des Patienten passiert, weiß man sehr genau, aber warum es dazu kommt, ist noch unklar. (Foto: DOC RABE Media / Fotolia)
Was bei Parkinson im Körper des Patienten passiert, weiß man sehr genau, aber warum es dazu kommt, ist noch unklar. (Foto: DOC RABE Media / Fotolia)

Studie: Körperliche Aktivität im Alltag senkt vermutlich das Erkrankungsrisiko

(dbp/auh) Warum erkrankt ein Mensch an Parkinson, ein anderer nicht? Auf diese Frage, die viele Patienten und Angehörige umtreibt, gibt es zurzeit keine befriedigende Antwort. Es wird vermutet, dass es mehrere Ursachen gibt, die eine Parkinsonerkrankung auslösen können, aber nicht müssen. Dazu gehören Umweltgifte, zum Beispiel Pflanzenschutzmittel, oder auch körpereigene Giftstoffe, die als Produkte des Stoffwechsels entstehen.

Als relativ sicher gilt, dass Viren oder andere Formen von übertragbaren Infektionen keine Rolle spielen. Parkinson ist also nicht ansteckend. Parkinson ist auch keine Erbkrankheit. Nur bei der seltenen, sogenannten familiären Parkinsonkrankheit konnten Genmutationen auf ganz bestimmten Chromosomen als Ursache identifiziert werden.

Erbanlagen spielen eine Rolle

Allerdings, so das „Kompetenznetz Parkinson“, nimmt man an, dass das Zusammenspiel mehrerer Erbanlagen manche Menschen anfälliger macht, an Parkinson zu erkranken. So wird beispielsweise diskutiert, dass eine gestörte „Entgiftungsfähigkeit“ anlagebedingt ist, also vererbt sein kann. Das bedeutet aber nicht, dass ein Mensch mit dieser Anlage an Parkinson erkranken muss.

Was es mit dieser Entgiftung auf sich hat, erläutert der im vergangenen Jahr verstorbene Neurologe Dr. Ferenc Fornadi auf der Webseite der Gertrudis-Klinik Biskirchen, die er bis zu seinem Tod geleitet hat: Bei Parkinsonpatienten sind bestimmte Stoffe, die zur Neutralisierung giftiger Substanzen notwendig sind, nur in verminderter Menge vorhanden. „Die mangelnde Fähigkeit der Entgiftung zusammen mit der erhöhten Produktion von toxischen Radikalen kann ein möglicher Faktor in der Entstehung der Krankheit sein“, so Dr. Fornadi.

Neue Studie aus Schweden

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Lebensstilfaktoren zur Prävention von Parkinson geeignet sein könnten. Zumindest für das Allheilmittel „körperliche Aktivität“ scheint das zuzutreffen. Die Ergebnisse einer neuen Studie von Wissenschaftlern des renommierten Karolinska Instituts in Stockholm kommentiert der Kieler Neurologe Professor Günther Deuschl so: „Wir haben nun starke Gründe anzunehmen, dass körperliche Aktivität die Wahrscheinlichkeit für eine Parkinsonerkrankung senkt – ähnlich wie das für die Alzheimerkrankheit schon bekannt ist.“

Das schwedische Forscherteam um Karin Wirdefeldt wertete die Daten von 27.863 Frauen und 15.505 Männer aus. Sie wurden von 1997 bis zum Ende des Jahres 2010 beobachtet. In einem 36-seitigen Fragebogen machten sie Angaben zu ihren körperlichen Aktivitäten: im Haushalt, auf dem Weg zur Arbeit, in Beruf und Freizeit sowie zu ihrer täglichen Gesamtaktivität.

Personen, die mehr als sechs Stunden pro Woche im Haushalt und auf dem Weg zum Arbeitsplatz körperlich aktiv waren, hatten ein 43 Prozent niedrigeres Risiko an Parkinson zu erkranken als Probanden, die auf diese Aktivitäten weniger als zwei Stunden wöchentlich verwendeten. Bei Männern sank das Risiko sogar um 45 Prozent.

„Zusammen mit weiteren Studien, die in dieselbe Richtung weisen, ist dies der Einstieg in eine wissenschaftlich abgesicherte Vorbeugung von neurodegenerativen Erkrankungen“, kommentiert Deuschl. „Die Mechanismen für diese Wirkung sind noch nicht klar. Körperliche Bewegung hat viele positive Effekte, darunter die Freisetzung von Wachstumsfaktoren, verminderte Entzündungsaktivität, höhere Vitamin-D-Produktion“, so der Parkinson-Experte.

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