Parkinson beginnt schleichend

In der medikamentösen Parkinsontherapie gibt es keine gleichwertige Alternative zu L-Dopa. (Foto: granata68 / Fotolia)
In der medikamentösen Parkinsontherapie gibt es keine gleichwertige Alternative zu L-Dopa. (Foto: granata68 / Fotolia)

REM-Schlaf-Verhaltensstörungen sind deutliche erste Warnzeichen

(dbp/ihs) Parkinson ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung, verursacht von einem Zellenabbau in bestimmten Gebieten des Gehirns, der zu einem Dopaminmangel führt. Der Botenstoff Dopamin ist unter anderem für die Steuerung der Bewegungen wichtig. Fehlt Dopamin, kommt es zu Bewegungsarmut, Zittern in Ruhe, Muskelsteifigkeit sowie Gang- und Gleichgewichtsstörungen.

In Deutschland leiden zurzeit rund 200.000 Menschen an Parkinson. „In 20 Jahren wird sich diese Zahl verdoppeln“, sagt Professor Dr. Wolfgang H. Oertel, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Marburg. Denn das Alter sei der größte Risikofaktor, so der Mitbegründer des „Kompetenznetz Parkinson“. Meist trete diese Krankheit ohne erkennbare Ursache auf, lediglich bei einem kleinen Teil der Patienten sei die Erkrankung medikamentös oder symptomatisch durch andere Krankheiten verursacht. In nur sehr wenigen Fällen sei die Krankheit erblich. Experten vermuten derzeit, dass die Krankheit durch Giftstoffe im Körper ausgelöst werde, erläutert Prof. Oertel.

Frühe unspezifische Symptome

Bewegungsstörungen als erste deutliche Krankheitszeichen gibt es bei Parkinson erst, wenn bereits 60 Prozent der Nervenzellen abgestorben sind, die für die Dopaminproduktion sorgen. Bei vielen Patienten verschlechtert sich im Vorfeld der Geruchssinn, sie leiden unter Verstopfung oder Depressionen, bevor Bewegungsstörungen eintreten. „Ein deutliches Warnzeichen und ein wichtiger früher Hinweis“, sagt Prof. Oertel, „sind REM-Schlaf-Verhaltensstörungen.“ Heftige unwillkürliche Bewegungen stören den Traumschlaf und die Patienten schlagen um sich, prügeln auf den Bettnachbarn ein, fügen sich selbst blaue Flecken zu oder wachen auf dem Boden liegend auf. „In 65 Prozent dieser Fälle“, sagt Prof. Oertel, „handelt es sich um Parkinson.“ In der Regel beginne die Erkrankung schleichend, beispielsweise mit dem Zittern der Hand von einer Körperseite. Später kämen Steifigkeit, Langsamkeit und Ungeschicklichkeit der betroffenen Seite hinzu.

Diagnostik und Therapie

Die Diagnose Parkinson wird vor allem durch eine sorgfältige Untersuchung eines Neurologen gesichert. Im frühen Krankheitsstadium ist es schwierig, Parkinson von anderen Krankheiten abzugrenzen. „In solchen Fällen“, weiß Prof. Oertel, „wird mit den Patienten der sogenannte L-Dopa Test gemacht.“ Bei Parkinson-Patienten würden die Symptome deutlich zurückgehen, denn das L-Dopa werde im Gehirn zu Dopamin umgewandelt.

In der medikamentösen Behandlung gebe es derzeit nichts Vergleichbares und viele Patienten reagierten mit einer deutlichen Symptombesserung. Computertomografische oder kernspintomografische Untersuchungen werden häufig nur gemacht, um andere Ursachen auszuschließen. Ein neuer Behandlungsansatz ist jetzt Gegenstand einer klinischen Studie: Nikotinpflaster können die Nervenerkrankung womöglich beeinflussen. Zentren in Deutschland und den USA beteiligen sich an dieser „NIC-PD“ genannten Studie, in der etwa 150 Parkinsonpatienten über ein Jahr untersucht werden sollen, und die von Marburg aus koordiniert wird.